Zum Hauptinhalt springen
Schweiz und Welt

Pessachfest in Sicherheit

Barbara Gassler
21.04.2022, 17:04 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Gegenwärtig suchen eine grosse Zahl Menschen Zuflucht vor dem Krieg, der in ihrem Heimatland tobt. Gemäss letzten Zahlen sollen es in der Schweiz inzwischen an die 28 000 Schutzsuchende sein. Darunter finden sich auch viele Menschen jüdischen Glaubens. Sie wurden nach ihrer Ankunft in der Schweiz vom Schweizerischen Israelischen Gemeindebund unter die Fittiche und von den jüdischen Gemeinden in Zürich, Basel und Bern aufgenommen. Dort leben sie inzwischen unter dem Schutzstatus S. Bei den ersten hat auch schon die Integration in die Gesellschaft begonnen.

Ein Fest der Gemeinschaft

Doch als das jüdische Pessachfest bevorstand – es fällt dieses Jahr ungefähr mit Ostern zusammen – sahen sich die Gemeinden ausserstande etwas Passendes zu organisieren, da die Vorschriften und Traditionen des Pessachfestes ziemlich umfangreich sind. Doch gerade für Menschen auf der Flucht, die alles Vertraute hinter sich lassen mussten, Verwandte und Freunde verloren haben, ist es umso wichtiger, Gemeinschaft erleben zu können, in der Runde Gleichgesinnter ein Stück Heimat und Normalität zu finden. Das Fest zur Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten entspreche in seiner Bedeutung etwa dem christlichen Weihnachtsfest und werde traditionell in der Gemeinschaft gefeiert, erklärt Jossi Levin, Pächter des Hotels Derby im Dorf. Er und sein Bruder Samuel öffneten zusammen mit dessen Besitzer, Enrico Balestra, das Haus für jüdische Ukraineflüchtlinge. Dort sind sie nun Gäste und können das vom 15. bis 23. April dauernde Fest gemeinsam feiern. Begleitet werden sie von in der Schweiz heimischen Juden, die als Übersetzer, Fremdenführer und allgemeine Hilfe tätig sind. «Wir stellen ihnen mit finanzieller Unterstützung von Herrn Balestra das ganze Hotel zur Verfügung», erklärt Jossi Levin. An die hundert Frauen, Männer und Kinder sind es inzwischen, die gemeinsam feiern und Davos erkunden. «Es ist uns eine Ehre, diese Menschen hier zu betreuen, sagt der Bündner Hotelier in vierter Generation. ‹Wir spüren aber auch eine neue Stimmung seitens der Behörden. Diese neue Willkommenskultur heilt auch viele Wunden, die noch aus der Zeit des zweiten Weltkriegs übrig geblieben sind, als jüdischen Menschen diese Hilfe verwehrt blieb.›

Mehr zum Thema: Politik