Ein Abgesang auf die markante Ledi-Haab in Mühlehorn
Eine gläserne Schallschutzwand lässt den Trainspottern ihr Vergnügen, sie sehen auf Bildschirmen, welcher Lok-Typ gerade vorbeifährt und woher der nächste Zug kommt. Hauptattraktion ist aber die Ledi-Haab, der überdeckte Hafen des ehemaligen Hartschotterwerks Mühlehorn-Quinten. Die Haab vor allem ziehe die vielen Gäste an, die der Mühlehorner Videofilmer Rolf Günter in seiner Vision für die Haab fürs Jahr 2035 beschreibt. «Das Hafenbecken ist von einer filigranen Holzkonstruktion überdacht, Zeugnis von Zimmermannskunst vor 150 Jahren», schreibt er in der Vision. Das Gebäude am See mit den senkrechten Felswänden gehöre dannzumal zu den beliebtesten Instagram-Spots im Glarnerland. Und die renovierte Ledi-Haab samt Kiosk, Fitness-Treffpunkt und virtueller Wasserflugzeug-Schau sei zu einer Hauptattraktion am Walensee geworden.
Vom Dorf her erscheint die nicht mehr vollständig mit Ziegeln gedeckte Holzkonstruktion wie ein grosses Zelt und fast unscheinbar. Vom See her gesehen ist die Ledi-Haab dagegen eine weitherum bedeutende Landmarke.
«Nur etwas Besseres rechtfertigt den Abbruch»
Beim Glarner Heimatschutz freut man sich sehr, dass in Mühlehorn ein Interesse bestehe, die «einzigartige» Haab zu erhalten. Laut Marc Schneiter, Interimspräsident des GHS, hat man die erwähnte Beschwerde ergriffen, weil noch gar kein Projekt vorliege, das den Abbruch der Haab rechtfertigen würde. Denn: «Die Haab ist eine spezielle, einzigartige Konstruktion.» Und die besondere exponierte Lage am Ufer präge das Horn in Mühlehorn stark. Und Schneiter schreibt: «Ein Abbruch dieses Wahrzeichens ist Sicht des Glarner Heimatschutzes nur denkbar, wenn eine Neuüberbauung ähnlich stark oder noch besser den Ort prägen kann.»
Trotzdem ist der GHS pessimistisch: Der aktuelle Eigentümer «will sich nicht um die prächtige Haab kümmern und will diese weghaben.» Aber, so Schneiter: «Die Haab und der Ort sind für Mühlehorn identitätsstiftend und wichtig.» Wenn sich eine Mehrheit der Bewohner bewusst werde, dass ein schönes Dorf wichtig sei, «dann wird auch ein Neubauprojekt an diesem Ort entsprechend beurteilt werden».