Okafor übt sich in Deeskalation
Wie an der EM vor zwei Jahren ist Noah Okafor auch an der WM noch nicht zum Einsatz gekommen. Nun äussert sich der Angreifer zu seiner schwierigen Situation.
Überraschung in San Diego: Der Schweizer Fussballverband teilt mit, dass Noah Okafor der nächste Protagonist an den hier üblichen Pressekonferenzen ist. Dass ein Spieler zu den Reportern spricht, der im Turnier noch keine Minute Spielzeit erhalten hat, ist ungewöhnlich. Bei Okafor verhält es sich etwas anders.
Denn in den vergangenen Tagen wurde der Umstand, dass der 26-Jährige an der WM als einer von drei Schweizer Feldspielern bisher nicht berücksichtigt wurde, bei praktisch jeder Gelegenheit thematisiert. Und das durchaus emotional. So wurde die Geschichte rund um Okafor in einem Talk im Schweizer Fernsehen gar als «tickende Zeitbombe» bezeichnet.
Höchste Zeit also, diese zu entschärfen. Das dürften sich die Verantwortlichen des Nationalteams wie auch Okafor selbst gedacht haben. Deshalb erschien der Angreifer am Sonntagvormittag im Medienzentrum nahe des Trainingsgeländes. Man darf davon ausgehen, dass er sich seine Worte im Vorfeld gut überlegt hat und wahrscheinlich auch vom Verband instruiert wurde: Bloss keine Debatte entfachen.
Glücklich, dabei zu sein
Und vorab: Okafor hielt sich zurück. Trotz mehrfacher Steilvorlagen und teils provokativer Fragen. Er räumte ein, dass er es schon schade finde, wenn er nicht spielen könne. Schliesslich träume jeder Fussballer davon, an einer WM spielen zu können. So wie in Katar, als er dreimal eingewechselt wurde.
Und sowieso: Kein Fussballer möge es, auf der Ersatzbank zu sitzen. «Sonst ist man im falschen Beruf.» Aber am Ende gehöre das eben zu diesem Sport dazu. Er freue sich jedenfalls sehr über die Leistungen des Teams und warte auf seine Chance.
Auch das Zeitbomben-Zitat brachte den Stürmer von Leeds United nicht aus der Ruhe. Das sehe er «überhaupt nicht» so, hielt Okafor fest. Er sei glücklich, dabei zu sein. Er sei gesund, fit und unterstütze das Team, wo er könne. Sei es auf oder neben dem Platz. Und um ganz sicherzugehen, fügte er an: «Ich bin sehr gut gelaunt. Das seht ihr vielleicht an meinem Lächeln.»