Ohne Rolltreppe: Was läuft noch in Berlin?
Die weltberühmte spanische Treppe in Rom hat 136 Stufen – Berlin hat aber mehr zu bieten.
Wer als Tourist im Hauptbahnhof der deutschen Hauptstadt einrollt, muss sich zurzeit 147 schwere Schritte nach oben schleppen, um von den Fernzügen im zweiten Untergeschoss hoch zur S-Bahn zu kommen.
Der Grund: Seit fast vier Wochen sind etwa zwei Drittel der 52 Rolltreppen stillgelegt – wegen technischer Probleme und aus Sicherheitsgründen. Das übliche Chaos bei der Deutschen Bahn trifft auf die Wurschtigkeit im «Failed State Berlin» – ungefähr so lästern darüber belustigte Auswärtige und genervte Einheimische.
Der Treppenwitz könnte sich wie Kaugummi ziehen, denn auf wichtige Ersatzteile für die gestörten Getriebe wird noch gewartet. Kein Wunder, dass sich die Bahn nicht festlegen will auf einen fixen Termin, an dem alles wieder rollt. Wie ist die Stimmung, in einem der nach Fahrgastzahlen grössten Bahnhöfe Europas? Einer der nun extra engagierten Kofferträger fasst es mit der berühmten Berliner Schnauze zusammen: «Manche nehmen's locker, manche nicht so.»
Nach dem Eispanzer haufenweise Streusplitt
Das Problem reiht sich nahtlos ein in andere Aufreger der vergangenen Monate. Sie alle bedienen das Klischee vom Dilettantismus der Berliner Verwaltung und der berüchtigten Rücksichtslosigkeit ihrer Bürger.
So schlitterten die Menschen zu Jahresbeginn wochenlang über dick vereiste Gehwege, weil Anwohner und Hauseigentümer nicht wie vorgeschrieben zur Schneeschippe griffen. Die vielen Knochenbrüche sind inzwischen verheilt und die harten Wintertage vorüber – doch schlägt jetzt die nächste Empörungswelle hoch.
Auf vielen Gehwegen liegt buchstäblich haufenweise Streusplitt, und das in mancher Strasse wohl noch lange. Denn die Strassenreinigung erwartet, dass das Zusammenfegen voraussichtlich bis Mitte April dauert – also bis zur Flieder- und Obstbaumblüte. Ihre leicht verzweifelt wirkende Bitte, die Berliner könnten zur Beschleunigung doch selbst zum Besen greifen, irritierte viele.