Noé Roth fügt der Familiensammlung eine weitere Medaille hinzu
Nach seinen zwei Weltmeistertiteln holt Noé Roth Olympia-Silber. Der Skiakrobat erlebt in Livigno ein Tag mit unterschiedlichsten Emotionen.
«Complete the mission» steht auf dem Shirt, das Michel Roth, Nationaltrainer und Vater von Noé, unter seiner dicken Winterjacke trägt. Die Mission war die Olympiamedaille. Wie lange schon? Das wissen auch die Roths nicht genau.
Eigentlich beginnt es schon Anfang der 2000er-Jahre, als Noé früh seine Freude am Trampolin entdeckt. In den 2010ern festigt sich die Liebe zum Springen, mit 17 nimmt er bereits an seinen ersten Olympischen Spielen teil. In den 2020ern gehört er zur absoluten Weltelite, wird zweimal Weltmeister, und fasst dann die Winterspiele wieder ins Auge.
Nun ist die Olympiamedaille da, und Noé Roth sucht bei jeder Interviewstation nach den richtigen Worten für seine Gefühle. «Es ist unglaublich, ich bin enorm stolz», sagt der 25-Jährige und wischt sich ab und zu über die Augen. Damit tritt er in die Fussstapfen seiner Mutter: Colette Brand gewann 1998 in Nagano Bronze, ihr Sohn holt 28 Jahre später Silber. «Es ist ein riesengrosser Kindheitstraum, der in Erfüllung gegangen ist.»
Nur kurz enttäuscht
Dass es ganz knapp nicht Gold geworden ist, spielt gut 40 Minuten nach dem Wettkampf keine grosse Rolle mehr. Vater Michel scheint es zunächst etwas mehr zu schmerzen, dass lediglich 1,02 Punkte gefehlt haben. «Im ersten Moment nach dem Sprung habe ich gedacht: Das ist es», sagt Michel Roth. Es folgt langes Warten, ein schier unerträgliches Gefühl für ihn und seinen Sohn.
Dann die Gewissheit: Silber, nicht Gold. Zunächst wirkt auch Noé Roth im Zielraum etwas enttäuscht, doch diese Gefühlslage weicht rasch der Freude. Denn es hätte an diesem Tag auch ganz anders kommen können.