«New Work» in einem Hotel in Lenzerheide
von Laura Kessler
«Es ist nicht so, dass im ‹Kurhaus› alle tanzen und auf pinken Wolken schweben.» Johannes Fredheim lacht und lehnt sich im roten Samtsessel, der zum Salon Rouge gehört, zurück. Der Manager des «Kurhaus» Lenzerheide führt den Hotel- und Gastronomiebetrieb zusammen mit Xenia Picco und Marco Parpan-Zollinger. Das ist dann auch schon alles, was man über die Hierarchien im «Kurhaus» wissen muss. Einen Chef de Service oder ein Maitre d‘Hotel sucht man hier nämlich vergebens. Ein Hotel ohne Hierarchien – ungewohnt.
Ungewohnt ja, aber der richtige Weg für das «Kurhaus», wie Johannes Fredheim findet. An jenem Novembertag ist es ruhig in den altehrwürdigen Hallen des ehemaligen Grandhotels. Das Hotel ist zwar offen, doch in der Zwischensaison geht hier alles etwas gemächlicher zu und her.
Johannes Fredheim kann sich deshalb Zeit nehmen, um über eben jenen Weg zu sprechen, den man als «New Work» bezeichnen kann.
Das neue Arbeiten. «New Work» – ein viel zitierter Begriff. Was er aber genau bedeutet? Na ja, die Definition ist schwammig und wird in jedem Unternehmen, das sich «New Work» auf die Fahne schreibt, etwas anders interpretiert. Was aber überall gilt: Der Mensch steht im Zentrum. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird mit ihren Fähigkeiten, Bedürfnissen, Wünschen und Anregungen besondere Aufmerksamkeit zuteil. Oftmals werden auch flexible Arbeitszeiten, keine festen Arbeitsplätze, Workations (Mischung aus Arbeit und Ferien) und unkonventionelle Teamstrukturen mit «New Work» gleichgesetzt. Auf manche Unternehmen mag das zutreffen, im «Kurhaus» ist das aber nicht ganz so passend.
Zumindest nicht alles. Das Arbeiten von Zuhause aus oder aus den Ferien geht in einem Hotel- und Restaurantbetrieb natürlich nicht. Die Gäste wollen umsorgt, die Zimmer geputzt und das Essen serviert sein. Alles Aufgaben, die eine physische Präsenz fordern. Was ist also «new» am Arbeiten im «Kurhaus»?