Passiert noch ein Wunder?
Bereits die Anreise zum ehemaligen TSH-Arzthaus ist ein kleineres Abenteuer. Über viele Kurven und steile Strassenabschnitte geht es, ehe man im Wald ein auf den ersten Blick unscheinbares Holzhaus entdeckt. Doch die 1934 erstellte Baute ist ein architektonisches Juwel. Es erstaunt daher nicht, dass das unter Schutz stehende Gebäude auch im Architekturführer «Bauen in Davos» Erwähnung findet. Es handle sich dabei um den letzten erhaltenen Holzständerbau des bekannten Architekten Rudolf Gaberel, liest man dort. Einst für den Chefarzt der TSH sowie seine Familie und Bedienstete errichtet, dient es heute aber als Wohnraum für acht Menschen.
Viel erlebt in 17 Jahren
Gegründet wurde die WG 2006. Damals wie heute dabei ist Gabriela. «Wir haben mit vier Mitbewohnern angefangen, waren dann aber schnell mal zu fünft. Bald merkten wir auch, dass noch mehr Personen Platz haben», erinnert sie sich. Zu Spitzenzeiten hätten elf Personen im dreistöckigen Haus gelebt, erzählt sie. Zähle man alle bisherigen und aktuellen Bewohner zusammen, so komme man gut und gerne auf eine Zahl zwischen 40 und 50. Derzeit leben acht Personen im Gaberel-Bau – die Jüngste ist 36, der Älteste 57. Was früher wie heute gilt: «Wir sind keine Zweck-WG, sondern haben diese Wohnform bewusst gewählt», meinen alle einhellig. So bezeichnen die Bewohner ihren Alltag auch als «Familienleben». Doch man habe natürlich auch seine Privatsphäre, wenn man das wolle, meint Bruno. Gabriela ergänzt, dass es wohl so manches Ehepaar nicht so lange miteinander ausgehalten habe wie die Zauberberg-WG-Bewohner.
Es geht sportlich zu und her
Das Wohnzimmer ist der zentrale Ort im Haus – dort treffen sich diejenigen, die Lust haben, um zu quatschen und sich auszutauschen. Aber auch die gemeinsamen Abendessen finden dort statt. Dass auch immer etwas auf den Teller kommt, dafür sorgen alle. In der Küche hängt ein auf zwei Wochen ausgelegter Plan, in dem jeder und jede eintragen kann, wann er oder sie zu Hause ist. Wer an diesem Abend kocht, weiss also, wie viele Portionen es zuzubereiten gilt. Apropos Essen: Direkt neben der Küche befindet sich die Vorratskammer. Diese werde jeweils gut gefüllt, vor allem im Herbst. Denn im Winter ist es nicht möglich, die steile und nicht asphaltierte Strasse von der Klinik zum Arzthaus hochzufahren. «Um ins Tal zu kommen, fahren wir meist mit den Skiern hinunter. Um wieder hochzukommen, nehmen wir oft die Schatzalpbahn und fahren durch den Wald hierher», erzählt Jutta. Im Sommer sind die meisten zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs. Doch die Bewohner machen Sport nicht nur zum Zweck – auch in der Freizeit sind sie oft in der Natur unterwegs. Die dafür notwendigen Utensilien wie Velos, Tourenskis und Snowboards lagern sie im geräumigen Keller im Untergeschoss.