Nato-Gipfel mit Trump: Unterwerfung oder klare Kante?
Wie umgehen mit einem US-Präsidenten, der sich wenig um alte Bündnisse schert, Falschinformationen verbreitet und dessen Politikstil als narzisstisch, sprunghaft und autoritär gilt? Vor dem Nato-Gipfel an diesem Dienstag und Mittwoch in der Türkei stellt sich diese Frage für Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs mit besonderer Brisanz.
Auf der einen Seite soll von dem Spitzentreffen in Ankara ein Signal des Zusammenhalts und der Stärke an Russland ausgehen. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, welchen Preis Politikerinnen und Politiker dafür zu zahlen bereit sind. Kann es so weit gehen, einen möglicherweise völkerrechtswidrigen Krieg zu begrüssen oder zu unterstützen – wie im Fall Iran? Oder so weit, für Milliardensummen Rüstungsgüter in den USA zu kaufen, obwohl eine Stärkung der Industrie in Europa eigentlich viel sinnvoller wäre?
Bislang gibt es sehr unterschiedliche Ansätze, was den Umgang mit Donald Trump angeht.
Die Methode Rutte: Goldene Schmeicheleien
Unterwürfig, würdelos, peinlich – Nato-Generalsekretär Mark Rutte muss sich wegen seines Umgangs mit Trump seit Monaten immer wieder beissende Kritik gefallen lassen. Weil er den US-Präsidenten in der Öffentlichkeit in Schutz nimmt, ihm demonstrativ schmeichelt und ihn sogar als «Daddy» bezeichnete, gilt er als Prototyp des Politikers, der alles tut, um Trump zu gefallen.
Vorwürfe deswegen prallen an dem fast immer lächelnden Niederländer allerdings ab. Rutte sieht seine Aufgabe darin, die Nato am Leben und stark zu halten – um jeden Preis. Jüngstes Beispiel war ein Besuch im Weissen Haus vor eineinhalb Wochen. Vor laufenden Kameras präsentierte Rutte dort Schautafeln, um zu zeigen, wie stark die Bündnispartner der USA ihre Verteidigungsausgaben unter dem Druck von Trump erhöhen. Ein Diagramm war dabei mit den Worten «The Trump Trillion» (deutsch: Die Trump-Billion) überschrieben – in goldenen Buchstaben.
Und bislang scheint der Erfolg Rutte recht zu geben. Bereits im vergangenen Jahr gelang es ihm in Den Haag, einen Nato-Gipfel mit Trump ohne Eklat zu organisieren. Damals brachte er die Alliierten dazu, Trump eine deutliche Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben zu versprechen. Dabei schmeichelte er Trump mit Sätzen wie: «Europa wird kräftig zur Kasse gebeten werden – so wie es sein sollte – und es wird dein Sieg sein.» Anfang dieses Jahres gelang Rutte dann auch eine erfolgreiche Vermittlung in dem von Trump angezettelten Grönland-Konflikt.