Muskelspiele um Wasserkraftausbau im Berner Oberland
Im Berner Oberland tobt ein Streit um den Wasserkraft-Ausbau. Mit Blick auf die Ausbauvorhaben im Grimsel- und Sustengebiet haben der Kanton Bern, die Kraftwerke Oberhasli und Umweltverbände im Dezember einen Kompromiss geschlossen. Nun ist der Konflikt eskaliert.
In betroffenen Gemeinden sorgt der Kompromiss für böses Blut. Der von den Beteiligten als wegweisend gelobte Wasserkraft-Deal sieht vor, dass die Umweltverbände auf Beschwerden gegen die Wasserkraftprojekte verzichten und im Gegenzug dafür ökologische Ausgleichsmassnahmen erhalten.
Aktuell im Fokus der Auseinandersetzungen steht die Gemeinde Innertkirchen, zu der das Gadmental gehört. Von dort her sollte der geplante neue Triftstausee erschlossen werden.
Innertkirchen ist zornig, weil sich der Kanton Bern flugs, aber legal, rund 13 Quadratkilometer herrenloses Land am Steingletscher aneignete, um es den Kraftwerken Oberhasli (KWO) im Rahmen des Wasserkraft-Kompromisses als ökologische Ausgleichsfläche zuzuschlagen.
Für das Gadmental sollten die KWO freiwillig sieben Millionen Franken für gesellschaftliche und touristische Ausgleichsmassnahmen locker machen, so die Idee. Doch der erhoffte Applaus am Susten blieb aus.
Mehr noch: Die Gemeinde fühlt sich übertölpelt und möchte das herrenlose Land für sich, um selbst über dessen Nutzung zu bestimmen. Auch die mangelnde Entschädigung kritisiert die Gemeinde. Sie sistierte darum die laufenden Verhandlungen.
«Eine erneute Annäherung ist nur möglich, wenn der Kanton seine Entscheide überprüft, das herrenlose Land ohne Lasten der Gemeinde übertragen wird und mit der KWO faire, offene sowie rechtlich verbindliche Verhandlungen geführt werden», heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde vom Dezember.