Mujinga Kambundji sprintet wieder über die Bahn
Fünf Monate nach der Geburt von Sohn Léon arbeitet sich Mujinga Kambundji Schritt für Schritt zurück in den Spitzensport. Die Bernerin macht spürbare Fortschritte. Ihr grosses Ziel bleibt die EM.
Als Mujinga Kambundji im vergangenen November erstmals Mutter wurde, rückte der Spitzensport für einige Wochen in den Hintergrund. Inzwischen bestimmt wieder die Leichtathletik den Alltag der Bernerin, wenn auch unter völlig neuen Voraussetzungen. Der kleine Léon ist oft dabei, wenn seine Mutter trainiert. Familienmitglieder oder Kolleginnen übernehmen das Babysitting, während Mujinga Kambundji auf der Bahn an ihrem Comeback über 100 und 200 m arbeitet.
«Ich habe mich auf das Training gefreut», betont die 33-Jährige an einem Medienanlass in der Sporthalle Wankdorf. «Ich kannte meinen Körper nur als Körper einer Sportlerin.» Nach der Geburt habe sie sich «überhaupt nicht sportlich» gefühlt, sie sei «sogar leicht geschockt» gewesen. «Ich wollte wieder an meinem Körper arbeiten.»
Die Rückkehr auf die Bahn wurde für die zweifache Hallen-Weltmeisterin zur Begegnung mit einem Body, den sie kaum wiedererkannte. Bereits einen Monat nach der Geburt absolvierte die zweimalige Europameisterin erste Einheiten. Von Spitzensport konnte damals allerdings noch keine Rede sein. «Das war mehr Reha als Training», sagt sie. Zunächst standen Rückbildungsübungen und Stabilisation im Zentrum, später kamen Kraftübungen hinzu. Erst 14 Wochen nach der Geburt trainierte die Bernerin wieder auf Spitzensport-Niveau.
Weit weg und wieder nahe dran
Für eine Athletin, deren Karriere auf Explosivität, Stabilität und maximaler Spannung basiert, bedeutete das eine völlig neue Erfahrung. Übungen, die früher selbstverständlich gewesen seien, funktionierten plötzlich nicht mehr. Die Schwangerschaft habe ihren Körper stark verändert, sagt Mujinga Kambundji. «Ich war überrascht, wie weit weg ich vom früheren Niveau war.» Gleichzeitig seien die Fortschritte schneller zurückgekommen als erwartet.
Inzwischen absolviert sie wieder intensive Sprint- und Krafteinheiten, häufig gemeinsam mit ihrer Schwester Ditaji, der Weltmeisterin über 100 m Hürden. Dabei zeigt sich allerdings, dass Mujinga Kambundji körperlich noch nicht dort angekommen ist, wo sie vor der Schwangerschaft stand. «Bänder, Muskeln oder Sehnen sind noch nicht auf Sprint-Niveau», erklärt sie. Alles sei noch weich. Das liege auch daran, dass sie Léon weiterhin stille. «Die Steifigkeit im Körper ist noch nicht da, es geht viel Energie verloren.» Gerade im Sprint spüre sie den Unterschied deutlich. «Früher gab ich 100 Prozent Impuls rein und es kamen 100 Prozent raus. Heute gebe ich 100 rein, und es kommen noch 60 raus.»