Was passiert mit diesem Nazistein in Chur?
«Ich wusste nichts davon», sagt der Churer Stadtpräsident Urs Marti gegenüber dem Nachrichtenportal «srf.ch». Es irritiere ihn sehr, dass in Chur ein Denkmal der Nationalsozialisten stehe, heisst es im Artikel. Der Nazistein befinde sich seit 1938 mitten auf dem Friedhof Daleu. 1955, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde das Relikt saniert. Jetzt decken historische Recherchen von SRF Investigativ die Vergangenheit des Denkmals auf. Sicher ist: Es ist das erste und bisher einzige entdeckte nationalsozialistische Relikt der Schweiz.
Auftraggeber des Denkmals sei der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gewesen. Diese Organisation wurde im Jahr 1919 für die Pflege von deutschen Soldatengräbern gegründet und kümmerte sich bald um die Gräber der gefallenen Soldaten im Ausland, wie es weiter heisst. Die Kriegsgräberfürsorge habe sich ab dem Jahr 1933 den Grundsätzen des Nationalsozialismus unterworfen. Für Adolf Hitler und seine Partei seien bereits der Erste Weltkrieg und dessen Tote von immenser Bedeutung gewesen.
In Vergessenheit geraten
In der Stadt Chur ist in den letzten Jahren nichts passiert, was den Nazistein angeht. Stadtpräsident Urs Marti sagt gegenüber «srf.ch»: «Ich glaube, meine Vorvorgänger haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Chance verpasst, dieses Denkmal kritisch zu hinterfragen.» So seien irgendwann die Hintergründe des Denkmals nicht mehr erkennbar gewesen.
Was nun mit dem Nazistein passiere, sei offen, so Marti. Zuerst wolle die Stadt die Reaktionen der Bevölkerung und Politik abwarten.
Soll das Nazidenkmal auf dem Churer Daleufriedhof verschwinden?
Wie es im SRF-Artikel weiter heisst, könnte sich Urs Marti das Denkmal auch als Mahnmal vorstellen. Die Lehre daraus sei: «Wenn sich Länder machtpolitisch und kriegerisch ausdehnen wollen, muss man wachsam sein und frühzeitig reagieren. Das hat man offensichtlich in den 1930er-Jahren zu wenig gemacht.»
Der Bündner SP-Nationalrat Jon Pult wiederum forderte am Freitag ein Mahnmal im Umfeld des Nazisteins. Es solle ein Ort werden «der Erinerung über die Nazi-Verbrechen und deren Verbindungen zu unserem Kanton und unserer Stadt», schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Was mit dem Stein passiere, sei «sorgfältig zu klären». Zudem, so Pult, solle der Kanton seine Geschichte zur Nazizeit aufarbeiten lassen.