Mit Harfe und Haltung: Julie Campiches Hommage an Frauen
An einem intimen Konzertabend in Bern stellt die Genfer Harfenistin Julie Campiche Frauen ins Zentrum, deren Geschichten oft ungehört bleiben. Ihr Solodebüt «Unspoken» verbindet Harfe, Elektronik und Spoken Word zu einer Hommage an die Unsichtbaren.
Es ist ein Sonntagabend in Bern, Julie Campiche sitzt in der Turnhalle des Kulturzentrums Progr an ihrer Harfe und macht den Soundcheck. Beim Konzertveranstalter Bee-flat tauft sie an diesem Abend ihr erstes Soloalbum «Unspoken», das Mitte Februar erschienen ist.
In der Westschweiz hat die Genfer Musikerin längst ein Standing. Im vergangenen September gab es für die Harfenistin sogar den Schweizer Musikpreis. Nachdem sie bis anhin in verschiedenen Formationen, unter anderem auch mit ihrem Julie Campiche Quartet, unterwegs war, befindet sich die 43-Jährige nun auf ihrer ersten Solotour, die sie durch die Schweiz und ins Ausland führt.
Durch Mutterschaft zum ersten Soloalbum
Die Geburt ihrer ersten Tochter habe sie dazu gebracht, sich an ein Soloalbum zu wagen, erzählt Julie Campiche vor dem Konzert im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Mittlerweile ist auch ihr zweites Kind geboren. Die 19 Monate alte Tochter sitzt auf dem Schoss ihrer Mutter. Diese erinnert sich: «Das Muttersein hat mir gezeigt, wie ungleich Frauen und Männer in unserer Gesellschaft noch sind.» Allein der damit einhergehende «Mental Load» sei enorm.
Während der Covid-19-Pandemie spielte sie gezwungenermassen solo Musik. «Das gab mir ein Gefühl zurück, das ich lange nicht mehr hatte.» Campiche nahm sich vor, ihr erstes Soloalbum zu erstellen. «Mit der Herausforderung wollte ich mir neues Selbstwertgefühl geben, und das habe ich bekommen.»
Entstanden ist das atmosphärische Album «Unspoken», das sich durch leise wie auch mal düster-epische Momente auszeichnet. Es ist eine Hommage an Frauen, die Grosses leisten oder leisteten, aber mehrheitlich in Vergessenheit geraten sind. Neben Intro und Outro sind sechs Titel je einer solchen Persönlichkeit gewidmet. «Es sind ganz subjektiv ausgewählte Frauen, deren Geschichten mich berührten», so Campiche.