Mathias Flückiger fährt mit 37 Jahren «einfach weiter»
Mehr als 800 Tage kämpfte Mathias Flückiger um seine Unschuld. Heute ist der 37-jährige Berner Familienvater, mit sich und der Welt im Reinen – und sportlich noch nicht am Ende seines Weges.
Lange war er ein Getriebener, stets auf der Suche nach Optimierungen, auf dem Bike wie in der Werkstatt. Jetzt, mit 37 Jahren und nach bewegten Jahren mit grossen Erfolgen und einem einschneidenden Rückschlag aufgrund eines Dopingvorwurfs, der erst mehr als zwei Jahre später offiziell ausgeräumt wurde, erlebt die Mountainbike-Szene einen neuen Mathias Flückiger.
Der neue Mathias Flückiger ist ein entspannter Familienvater, der seinen inneren Frieden gefunden hat. Ein Olympia-Zweiter, mehrfacher WM-Medaillengewinner und ehemaliger Gesamtweltcupsieger, der mit sich und der Welt im Reinen ist, der seinen Sport im Herbst der Karriere geniesst wie vielleicht noch nie. Einer, der trotz seines Alters noch nicht ans Karriereende denkt und an der WM Ende August im Val di Sole, dem Saison-Höhepunkt, noch einmal vorne mitmischen will.
Plötzlich ein vermeintlicher Doper
Vor einem Jahr wurde Flückiger zum ersten Mal Vater. Ein Ereignis, das ihm nicht zuletzt half, mit der Vergangenheit abzuschliessen, mit der traumatischen Zeit, als er für die Öffentlichkeit plötzlich fälschlicherweise als Doper dastand.
Es war im August 2022, mitten in seiner sportlich erfolgreichsten Zeit, als eine Dopingprobe vom Juni die verbotene anabole Substanz Zeranol in Flückigers Körper nachwies und der Olympia-Zweite von 2021 provisorisch gesperrt wurde. Die Konzentration war so gering, dass es sich um ein «Atypical Finding» handelte. Doch der Schaden war angerichtet.
Was folgte, war ein mehr als 800-tägiger Kampf um seine Unschuld. Die Nachricht habe ihm den Boden unter den Füssen weggezogen, schilderte Flückiger rückblickend: «Am 18. August 2022 stand ich eine Stufe vor dem Abgrund. Alle meine Werte, nach denen ich mein ganzes Leben gelebt habe, wurden von einer auf die andere Sekunde infrage gestellt. Man hat mir einfach nicht mehr geglaubt.»