Marokkos Chef Bouaddi: Mathe-Student und Millionen-Talent
Mit 18 Jahren überzeugt Marokkos Ayyoub Bouaddi als Mittelfeldstratege und Mathe-Student. Was ihn auf und neben dem Platz so besonders macht.
Am Ende versuchte selbst Zinédine Zidane, das Schlimmste zu verhindern. Frankreichs designierter Nationaltrainer schickte sich an, den hochbegabten Ayyoub Bouaddi doch noch von einem Verbandswechsel abzuhalten. Aber Garantien wollte Frankreichs Fussball-Ikone nicht geben und deshalb trifft der Teenager Bouaddi im WM-Viertelfinal am Donnerstag (22.00 Uhr Schweizer Zeit) mit Marokko auf sein Geburtsland.
Der Nationenwechsel ist nicht einmal zwei Monate her, erst Mitte Mai erlag Bouaddi dem Werben aus der Heimat seiner Eltern. Und nach seinen bisherigen Leistungen bei der Endrunde grübelt man in Frankreich so langsam, ob ihnen da nicht ein ganz grosser Spieler durch die Lappen gegangen ist. «In seinem Jahrgang ist er einzigartig», sagte Hubert Fournier, Technischer Direktor des Verbands FFF. «Es ist ein bedeutender Verlust. Aber es war sein Entscheid.»
Ein Teenager als «Le Chef»
Dabei war dieser durchaus beeinflussbar. Bouaddi wollte unbedingt zur WM. Doch Frankreichs Trainer Didier Deschamps empfand den 18-Jährigen als noch nicht reif genug. Also entschied sich Bouaddi, der die französischen Nachwuchsmannschaften durchlief und zuletzt Captain der U21 war, für Marokko. Verbandsvertreter hatten ihn und seine Eltern mehrfach in Frankreich besucht.
Das Ausmass des französischen Verlustes nahm man bereits im ersten WM-Spiel Marokkos gegen Brasilien wahr. Bouaddi war der beste Spieler auf dem Platz, strahlte auch unter Druck eine enorme Ruhe aus und brachte über 90 Prozent seiner Pässe ans Ziel. Hinzu kommt ein Stellungsspiel, das andere Profis auf diesem Niveau vielleicht im Verlauf ihrer Karriere entwickeln – oder nie. Sein Spitzname ist jetzt schon: «Le Chef».
Guter Kopf, kluger Kopf
«Für sein erstes Länderspiel auf diesem Niveau war seine Leistung stark», sagte Nationaltrainer Mohamed Ouahbi. Er sei sich sicher gewesen, dass Bouaddi ein grossartiges Spiel machen werde. Sein Vereinstrainer bei Lille, Bruno Genesio, sagte einmal: «Er ist ein Junge, der einen sehr guten Kopf hat.»