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Schweiz und Welt

Manche sind zufrieden, andere nicht

Südostschweiz
17.04.2020, 04:30 Uhr
heute um 11:31 Uhr

Der Bundesrat hat am 15. April entschieden, dass die verschiedenen Corona-Massnahmen schrittweise gelockert werden. In einer ersten Phase werden die Einschränkungen für Coiffeurgeschäfte, Baumärkte, Gartencenter und Spitäler aufgehoben. Im Mai soll dann der Unterricht an den Schweizer Schulen wieder aufgenommen werden. Und der ganze übrige Detailhandel darf seine Türen wieder öffnen. Damit soll in der Schweiz langsam wieder ein Stück Normalität einkehren. Viele freuen sich auf die Lockerungen.

In Graubünden stösst die Vorgehensweise des Bundesrates aber nicht nur auf Freude. Franz Sepp Caluori, Präsident von Gastro Graubünden, ist enttäuscht von den Worten des Bundesrates. «Wir, die Bündner Gastrobetriebe  wollen Perspektiven, aber die haben wir nicht erhalten.» Die Situation könne so nicht weitergehen, betont Caluori gegenüber TV-Südostschweiz. Darum würden die Betroffenen aus der Gastrobranche nochmals zusammen sitzen und intervenieren. «Anfangs Woche haben die Verbände Hotellerie-Suisse und Gastro-Suisse der Bundesregierung Konzepte vorgelegt. Umso mehr ist es unverständlich, dass der Bundesrat äusserte, dass er auf Konzepte der Branchenverbände wartet», meint Caluori und fügt hinzu: «Wenn es noch länger geht, bis wir wieder öffnen können, dann sehe ich ganz schwarz.»

«Das Licht am Ende des Tunnels sehen wir noch nicht»

Jürg Michel, Direktor des Bündner Gewerbeverbands, empfindet die Entscheidung des Bundesrates als sehr sinnvoll, wie er gegenüber Radio Südostschweiz erzählt. «Das Vorgehen des Bundesrates ist sehr gut und es ist verständlich, dass nicht alles auf einen Schlag gemacht werden kann.» Es sei auch als Chance anzusehen. Denn wenn die ersten Lockerungen gut liefen, sei der Bundesrat nachher eher dazu bereit, mehr Risiko einzugehen.»

Wiederum schätzt Michel die Stimmung unter den Unternehmen als gemischt ein. «Gewisse sind bestimmt froh, aber es gibt eben auch welche, die nicht zufrieden sind. Denn beispielsweise kleine Kleiderläden oder Küchenläden wissen nicht, wann sie ihren Betrieb wieder starten können. Die Betroffenen fühlen sich sehr vor den Kopf gestossen.» Nach Michels Ansicht ist es nicht akzeptabel, dass solche Unternehmen nicht öffnen könnten, jedoch grosse Läden schon. Die Hygienemassnahmen seien genauso in kleinen Läden umsetzbar. «Alles in allem ist es so, dass die Lage für uns im Gewerbeverband ein wenig heller geworden ist, aber das Licht am Ende des Tunnels sehen wir noch nicht.» 

Ähnlich empfindet auch der Gewerbeverein Chur den Entscheid. Für den Churer Verein gehen die von Bundesrat beschlossenen Lockerungen zu wenig weit, wie sie in einer Mitteilung erklären. Die Entscheidung, dass nur Grossverteiler ab dem 27. April ihr gesamtes Sortiment verkaufen dürften, sei ein Schlag ins Gesicht der Kleinunternehmen im Detailhandel. «Für die Kleinunternehmen kann diese Entscheidung existenzbedrohend sein. Auch macht es für den Kunden aus gesundheitlicher Sicht keinen Unterschied, ob er seine Edelstahlpfanne in einem kleinen oder grossen Laden einkauft», meinen die Verantwortlichen des Gewerbevereins Chur.

Der Bildungsschere entgegenwirken

Erleichterung herrscht dafür bei der Nationalrätin Sandra Locher Benguerel. Sie ist mit dem Beschluss des Bundesrates in Bezug auf die Schulen zufrieden «An jedem Tag, an dem die Schulen geschlossen bleiben, geht die Bildungsschere weiter auf.» Es sei darum für alle Betroffenen eine Erleichterung, dass langsam der normale Alltag wieder einkehre. Die Schule gebe vielen Schülerinnen und Schülern und deren Eltern Struktur und einen geregelten Ablauf. Auch dürfte man nicht vergessen, dass Lernen ein sozialer Aspekt sei, stellt Benguerel fest.

«Dass der Schulbetrieb am 11. Mai wieder in den Klassenzimmern stattfindet, begrüsse ich sehr.» Wie genau der Unterricht aussehe, müsste jedoch in den nächsten Wochen noch definiert werden. Laut Benguerel stehen noch verschiedene Fragen offen: «Wie geht man mit Lehrpersonen um, die zur Risikogruppe gehören oder was macht man mit Kindern, die ihr zu Hause mit jemandem aus der Risikogruppe teilen?».  Heute könnte man also noch keine Antwort geben, wie der Schulalltag aussehen werde und welche Bedingungen eingehalten werden müssen, so Benguerel. (paa)

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