«Man kann nicht in Worte fassen, was sie für das Team macht»
Das Schweizer Team verpasst das Finalturnier des Billie Jean King Cups durch ein 2:3 gegen Tschechien auf unglücklichste Art und Weise. Eine aussergewöhnliche Belinda Bencic reicht knapp nicht.
Der Blick von Belinda Bencic ist leer. «Ja, nicht gut», sagt sie am Samstagabend in der Swiss Tennis Arena von Biel knapp. Die Frage galt ihrem physischen Befinden, die Antwort passt aber genauso gut zu ihrer mentalen Verfassung. Der Frust ist mehr als verständlich. Bencic hatte acht Stunden geackert, zwei Einzel und ein Doppel innert zwei Tagen bestritten, alle über drei Sätze, am Ende aber im zweiten Einzel gegen die Weltnummer 14 Linda Noskova drei Matchbälle nicht nutzen können und 9:11 im Tiebreak des dritten Satzes verloren.
Bei den drei Matchbällen schlug Noskova zweimal hervorragend auf und liess einen Winner folgen, einmal missriet Bencic unter Druck ein schwieriger Vorhand-Passierball. Vorwürfe muss sie sich keine machen. Am Ende verdienen sich die Tschechinnen den Einzug ins Finalturnier der besten acht Teams durch ihre grössere Breite. Noskova und im abschliessenden Einzel auch Marie Bouzkova (WTA 24), die gegen Viktorija Golubic (WTA 79) ein weiteres enges Duell gewann, waren frisch, die Schweizerinnen Bencic und Golubic hatten bereits ein kräftezehrendes Doppel in den Beinen.
Am Ende fehlte ein Punkt. «Das hat ganz sicher eine Rolle gespielt», ist Captain Heinz Günthardt überzeugt. «Bei diesem Format mit dem Doppel vor den letzten zwei Einzeln haben die breiteren Teams einen Vorteil.» Bei den Schweizerinnen ist das Gefälle grösser als bei Tschechien mit sieben Spielerinnen in den Top 50 (nur die USA haben mehr). Die Schweiz hat mit der Weltranglisten-Elften Bencic eine, dahinter folgt Golubic. Dass Simona Waltert (WTA 92) fehlte, spielte kaum eine Rolle. Auch mit ihr hätte Günthardt wohl auf das Duo Bencic/Golubic gesetzt.
«Ich fand, wir können es uns nicht leisten, das Doppel nicht mit den Besten zu bestreiten», erklärt Günthardt. Dieses gewannen Bencic/Golubic ja dann auch. «Und am Ende fehlte ein einziger Punkt.» Die Schweizerinnen wachsen im Billie Jean King Cup (früher Fed Cup) regelmässig über sich hinaus. 2021 standen sie in Prag im Final und unterlagen hauchdünn gegen Russland, ein Jahr später holten sie die Trophäe in Glasgow mit einem Finalsieg gegen Australien.