Maler Hans Witschi erläutert in Zürich seine Neukom-Porträts
Der Künstler Hans Witschi hat an einer Podiumsdiskussion die Symbolik hinter den umstrittenen Porträts von Regierungsrat Martin Neukom dargelegt. Dabei wurde die enge Verbindung zwischen der Darstellung und Neukoms Rolle als grüner Politiker deutlich.
Der Künstler betonte am Donnerstagabend vor rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern in Zürich, dass die Werke über eine rein ästhetische Abbildung hinausgingen und auch eine politische Einordnung beinhalteten. Im Zentrum des Anlasses standen die drei Porträts, die der Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) zunächst abgelehnt hatte. Später bezahlte er eines davon privat. Es lagert nun in der Kunstsammlung des Kantons. Was damit geschehen soll, ist derzeit offen.
Der Wanderer in der Gletscherschmelze
Witschi erklärte ausführlich, wie das erste und wohl markanteste Bild entstanden ist. Zum Zeitpunkt des Auftrags arbeitete der 72-jährige Maler an einer Serie über Eislandschaften. Dieses Thema habe er bewusst mit der Person Martin Neukom verknüpft, der als grüner Politiker massgeblich mit der Klimapolitik assoziiert wird. Das Bild sei gewissermassen eine Hommage an Caspar David Friedrichs berühmtes Werk «Wanderer über dem Nebelmeer», wobei Witschi Neukom in eine Eislandschaft im Stile von Ferdinand Hodler versetzte.
Die Intention des Künstlers war es, Neukom als jemanden darzustellen, der angesichts der monumentalen Herausforderung der Klimakrise die Kontrolle verliert oder zumindest tief in deren Reflexion versunken ist.
Der Kunsthistoriker Ulrich Gerster beschrieb das Werk als einen «Zeitkollaps», wie er in Witschis Bilder oft zu sehen sei. Es sollte den derzeit jüngsten Zürcher Regierungsrat nicht als glatten Funktionär zeigen, sondern als zweifelnden «Elder Statesman». Neukom selbst hatte das Bild ursprünglich abgelehnt, weil er darin Hilflosigkeit und Verzweiflung sah – ein krasser Gegensatz zu dem von ihm gewünschten Image.
Zwischen Gandhi und Superman