Männer ziehen am Blochmontag einen Baustamm durch Appenzellerland
Mehrere Männer haben am Montag einen Baumstamm durch das Appenzeller Hinterland gezogen. Das Urnäscher Bloch führt jedes zweite Jahr vom gleichnamigen Ort über Hundwil, Stein nach Waldstatt und wieder zurück nach Urnäsch. Erst kürzlich lieferte ein Historiker neue Erkenntnisse zu diesem Brauch.
Wenn sich die Männer der Blochgesellschaft treffen, ist es noch stockdunkel. Traditionell kommen die ersten Blochkameraden bereits gegen zwei Uhr in der Nacht zusammen. Im Verlaufe des regnerischen und windigen Tages haben sie am Montag ein Ziel: Einen schweren, mehrere Meter langen sowie mit dem Urnäscher Wappen und einer Aufrichttanne geschmückten Baumstamm durch mehrere Dörfer des Appenzeller Hinterlandes zu ziehen. Am Nachmittag trifft das Bloch jeweils wieder in Urnäsch ein, wo der Baumstamm versteigert wird.
Gezogen wird der Baumstamm mit purer Muskelkraft. Paarweise gehen die Männer nebeneinander, hinter sich das Bloch mit Zugstecken an einem Seil. «Ihre Kleidung stellt mit Wald und Holz zusammenhängende Berufe wie Holzer, Zimmerleute, aber auch Landwirte dar. Ein Wilderer führt an der Kette einen mit den Zuschauern Schabernack treibenden Bären», heisst es in einer Beschreibung des Appenzeller Brauchtumsmuseums Urnäsch.
Ebenfalls mit von der Partie ist ein Fuhrmann mit Peitsche und Musikanten. Hinter einem qualmenden Ofen sitzt zudem ein Schmied, der mit einem Hammer auf einen Amboss klopft. In historische Kostüme gekleidete Herolde reiten dem Umzug voraus, während Kässelibuben dafür sorgen, dass die Sammelbüchsen gefüllt werden.
Und der Ursprung des Brauchs? «Kernpunkt des Blochs scheint aus heutiger Sicht die von Waldbesitzern aus Dankbarkeit seinen Arbeitern geschenkte Tanne zu sein», heisst es im Text des Brauchtumsmuseums weiter. So zumindest wurde es lange Zeit angenommen.