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Schweiz und Welt

Lugnez: Rutschgebiet wird beobachtet

Jano Felice Pajarola
05.11.2021, 09:00 Uhr
vor 56 Minuten

Die Situation ist nicht mehr wie vor 100 Jahren. Nach Hochwassern im etwas tiefer gelegenen Fluss Glenner war das Lugnezer Dorf Peiden damals so stark ins Rutschen geraten, dass man es fast hätte evakuieren müssen. Dank Entwässerungen, Flusskorrekturen und der Ableitung von Lugnezer Wasser in den Valser Zervreila-Stausee beruhigte sich die Lage später. Ein Rutschgebiet ist dieser Talabschnitt aber geblieben – und wie der Lumbreiner Mitte-Grossrat Gian Derungs in einer Anfrage an die Regierung vom August schreibt, scheint sich das Phänomen «in den letzten Jahren gefühlt wieder zu akzentuieren».

Augenfällig sei dies an der Kantonsstrasse in die Val Lumnezia, und zwar im Gebiet Farmarins bei Luven. Die Fahrbahn erfahre dort «jedes Jahr massive Deformierungen» und müsse mehrmals jährlich saniert werden. Auch an einer Meliorationsstrasse bei Vignogn oder an einer Mauer der Kantonsstrasse vor Lumbrein seien bereits Deformationen zu beklagen, und das kurze Zeit nach der Errichtung.

Derungs wollte deshalb vom Kanton unter anderem wissen: Wird das Rutschgebiet systematisch überwacht, und will der Kanton allenfalls Massnahmen evaluieren, um nachhaltige Verbesserungen zu erzielen respektive grossflächige Schäden abzuwenden?

«Weitestgehend stabil»

Inzwischen liegt die Antwort der Regierung vor. Sie stellt darin fest: Dank Flussschwellen im Glenner findet heute keine Tiefenerosion mehr statt, und damit bleibt die Dynamik der Rutschung «weitestgehend stabil». Lokal seien aber nach schneereichen Wintern oder Starkniederschlägen zeitlich beschränkte Beschleunigungen einzelner Rutschbereiche oder Folgebewegungen immer wieder möglich.

Das Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) überprüfe derzeit gemäss üblichem Turnus die Gefahrenkarte der Lugnezer Rutschung. Dabei werde auch untersucht, ob eine technische Überwachung des Gebiets angezeigt sei. Die Ergebnisse würden für das vordere Lugnez im ersten Halbjahr 2022 erwartet, jene für den restlichen betroffenen Bereich bis Ende 2023.

Naturgefahrenprozesse zu überwachen sei grundsätzlich Aufgabe der Gemeinden, heisst es weiter. Im Fall der Val Lumnezia basiere die aktuelle Überwachung in erster Linie auf Beobachtungen durch den kommunalen Naturgefahrenberater, Mitarbeitende der Gemeinde und des kantonalen Tiefbauamts (TBA) sowie die örtliche Bevölkerung. Von diesen Stellen seien dem AWN in den letzten Jahren «keine aussergewöhnlichen Beobachtungen gemeldet worden, die auf signifikante Veränderungen der Rutschdynamik schliessen lassen würden».

Befahrbarkeit sichergestellt

Die kantonalen Strassen ins Lugnez würden durch das TBA permanent unterhalten und Rutschschäden zeitnah behoben. Damit könne die Befahrbarkeit konstant sichergestellt werden – und daran werde sich angesichts der aktuellen Lage auch nichts ändern. Ob künftig mit einer Veränderung zu rechnen sei und ob allenfalls Massnahmen nötig werden könnten, werde sich aus den laufenden AWN-Untersuchungen ergeben.

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