Löwenstark im Leoland: Von einem besonderen Jungen und einem besonderen Raum
von Cindy Ziegler
Leandro ist ein besonderer Junge. Die Worte sprudeln nur so aus ihm heraus. Besonders, wenn er über den Kindergarten, den «Kindi», spricht. Er freut sich, dort ab Sommer zu den Grossen zu gehören. Sein feuerroter Rollstuhl ist im Gang parkiert. Hier drin, im Leoland, braucht er ihn nicht. Er krabbelt über eine Rampe in eine Höhle. Sein Lieblingsplatz, erklärt der Sechsjährige. Auf das Warum hat Leandro eine einfache Antwort: «Weil ich mich hier drin gut verstecken kann», sagt er und lacht hörbar. Seine Eltern, Manuela und Carsten Göhler, schauen ihrem Kind zu. Und auch sie lachen. Das Leoland ist ein Herzensprojekt, das ihnen als Familie guttut. Es ist ein Ort, den sie früher selbst gebraucht hätten und damals nicht gefunden haben.
Üben, was andere einfach können
Nach der Geburt von Leandro stellen seine Eltern schnell fest, dass etwas nicht stimmt. Nach unzähligen Abklärungen und Operationen dann die Gewissheit:Leandro hat einen seltenen Gendefekt. Er leidet an einer PIEZO 2 Mutation. Diese Art von Muskelatrophie führt dazu, dass der Junge keine Reflexe und auch keinen Lagesinn hat. «Die Bewegungen, die Kinder normalerweise natürlich lernen, muss Leandro bewusst üben», erklärt seine Mama. «Um etwas zu tun, ohne darüber nachzudenken, braucht es 1000 Wiederholungen. Jedes Spiel und jede Aktivität bei uns zu Hause hat deshalb einen Hintergedanken. Leandro muss viel. Und darum soll ihm das Müssen wenigstens Spass machen», erklärt sie. Irgendwann soll Leandro laufen können. Ob und wann das so weit sein wird, weiss niemand. Es gibt keine Studien dazu. «Aber eines ist sicher. Er wird Kraft brauchen. Kraft, die er unter anderem hier drin aufbauen kann», sagt Vater Carsten Göhler.