Zum Hauptinhalt springen
Schweiz & Welt

Vorschläge für Umfahrung von Sta. Maria werden abgelehnt

Südostschweiz
28.02.2023, 10:34 Uhr
12.05.2026, 16:56 Uhr

Das Dorf Sta. Maria in der Val Müstair leidet seit Jahren unter dem stetig wachsenden Durchgangsverkehr. Die Ofenbergstrasse, die durch den Ortskern mit seinen historischen Engadinerhäusern führt, ist eng und häufig überlastet. Ausserdem ist es unmöglich, dass sich zwei Fahrzeuge des Schwerverkehrs kreuzen. Auch für gewöhnliche Autos stellt dies schon eine Schwierigkeit dar.

Das Tiefbauamt Graubünden (TBA) hatte deshalb zwei Optionen für eine Umfahrung entweder im Norden oder im Süden der Gemeinde ausgearbeitet. Wie nun aber der Kanton mitteilt, lehnen die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) sowie die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) die vom Tiefbauamt Graubünden im Rahmen des Richtplanverfahrens präsentierten Varianten in einem Gutachten vom Februar ab. Die beiden Kommissionen kommen zum Schluss, dass beide Varianten zur Beeinträchtigung vom Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (Isos) sowie des Bundesinventars der historischen Verkehrswege von nationaler Bedeutung (IVS) führen.

Reto Knuchel, Kantonsingenieur vom Tiefbauamt Graubünden, ist überrascht von der Entscheidung der beiden Kommissionen. Das Projekt der Umfahrungsstrasse um Sta. Maria ist bis zur Entscheidung der eidgenössischen Kommissionen auf einem guten Weg gewesen:

Flurin Grass/ TV Südostschweiz

Zwei Varianten vertieft ausgearbeitet

Um den Ortskern zu entlasten und die Verkehrssicherheit zu erhöhen, standen für das Tiefbauamt folgende zwei Optionen im Fokus:

Die erste Variante sieht eine weiträumige Umfahrung im Süden vor. Die Strasse würde in zwei Abschnitten von 445 Metern und 600 Metern Länge durch Tunnels geführt. Am südlichsten Punkt – zwischen den beiden Tunnels – würde die Umbrailstrasse oberirdisch in die Umfahrung einmünden. Die Überquerung der Muranzina (Zufluss des Rombachs) würde über eine rund 100 Meter lange Brücke, ebenfalls zwischen den beiden Tunnels, erfolgen.

Bei der zweiten Variante würde die Strasse am nördlichen Dorfrand entlangführen, wobei 600 Meter der Strecke in einen Tunnel verlegt würden. Eine Einmündung der Umbrailstrasse in die Umfahrungsstrasse wäre bei dieser Variante nicht möglich.

Vorgeschlagen wird Lichtsignal

Gemäss den Kommissionen ist die Entlastung des Ortskerns vom Verkehr auch aus der Sicht des schützenswerten Ortsbilds von Sta. Maria grundsätzlich zu begrüssen. Sie empfehlen jedoch – aufgrund der Beeinträchtigung des Dorfbilds, die die vorgeschlagenen Varianten mit sich bringen würden – eine Lösung, die eine mittels Lichtsignalanlage gesteuerte Ortsdurchfahrt vorsieht. Sollte an einer Umfahrung festgehalten werden, empfehlen sie allenfalls die Erstellung eines Tunnels, wobei die beiden Tunnelportale möglichst ausserhalb des Ortsbilds errichtet werden müssten, heisst es in der Mitteilung.

Der Kanton nehme die Empfehlung nun auf und prüfe gemeinsam mit der Gemeinde Sta. Maria sowohl die Option einer Lichtsignalanlage als auch eine Tunnelvariante. Dies werde aber Zeit in Anspruch nehmen und fliesse in das laufende Richtplanverfahren ein.

Die Stimmen zum Entscheid gibt es auch heute Abend im Infomagazin ab 17.15 Uhr auf Radio Südostschweiz und ab 18 Uhr in den Rondo News auf TV Südostschweiz. 

(nua)

Mehr zum Thema: Politik
Vorschläge für Umfahrung von Sta. Maria werden abgelehnt | Südostschweiz