Leihmutterschaft: Spahns Posten wackelt
Privat im Glück, politisch unter Druck: Für Jens Spahn wackelt der Posten des Unionsfraktionsvorsitzenden, nachdem er und sein Mann die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen haben. Nach Rücktrittsforderungen aus der CDU legte Spahn seine Zukunft im Amt in die Hände der Abgeordneten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte an, dass sich die CDU-Spitze mit dem Thema befassen werde.
Spahn meldete sich in einem Podcast mit «Bild»-Vize Paul Ronzheimer aus den USA zu Wort. «Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen», sagte der CDU-Politiker. Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt wiederholte Spahn nur: «Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht.» Zugleich machte er deutlich: «Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie.»
Rücktrittsforderung aus dem Norden
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte den Jungen zur Welt. In Deutschland gibt es laute Kritik, weil Leihmutterschaft hier verboten ist und sich die CDU klar gegen eine Legalisierung ausspricht, so wie in der Vergangenheit auch Spahn selbst. Kritiker sprechen von doppelten Standards.
Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters sagte der «Bild»: «Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten.» Mit einer Leihmutterschaft in den USA habe sich Spahn «in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt». Spahn nehme für sich in Anspruch, als Privatperson anders zu handeln als er als CDU-Mandatsträger abstimme. «Das geht überhaupt nicht», meinte Peters.
Scharfe Worte wählte die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Mechthild Heil, in «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Frauen dürfen weder zum Sex gekauft, noch als Brutkasten missbraucht werden.» Die CDU-Politikerin sprach von einem «ausbeuterischen System zwischen Kaufeltern und Leihmüttern» und betonte: «Ich lehne den Kauf von Kindern und damit die Leihmutterschaft ab.»