Lebendiges und endliches Denkmal für die Philosophin Simone Weil
Der Installationskünstler Thomas Hirschhorn macht aus dem Pavillon Sicli in Genf bis Mitte Juni ein kollektives, sich wandelndes Kunstwerk. «Pavillon Simone Weil» heisst das Werk, das als Hommage an die französische Philosophin gedacht ist.
Der Pavillon Sicli im Genfer Quartier Acacias ist ein lebendiger Ort: Lesungen, Theateraufführungen, Radiosendungen, Workshops oder Boxtrainings finden hier statt. Derzeit ist der gebürtige Berner Thomas Hirschhorn jeden Tag dort. «Ich bin so etwas wie ein Hausmeister, ein Super-Hausmeister“, sagt er der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, während er grossen Schrittes durch den Pavillon läuft und hier und dort Personen grüsst, die am "Pavillon Simone Weil» bauen.
Die französische Philosophin Simone Weil (1909–1943) wird mit einer Vielzahl von Aktivitäten geehrt, die auch unerwartet sind. «Da hält ein Philosoph eine Lesung und daneben trainiert ein Boxclub», erzählt Hirschhorn. Die Taschen seines Hemdes quellen über von Notizzetteln, Stiften und – zuvorderst, gut sichtbar: das Buch «Schwerkraft und Gnade» (Orig.: «La pesanteur et la grâce», 1947), das, posthum veröffentlicht, die wesentlichen Gedanken der Philosophin zu Liebe, dem Bösen, Unglück, Gewalt und Schönheit enthält. «Simone Weil war eine Kämpferin. Sie erinnert uns daran, dass man seine Kraft beherrschen muss, wenn man Gewalt vermeiden will», meint Hirschhorn.
«Was zählt, ist zu handeln»
Hirschhorn hat 2019 bereits dem Schriftsteller Robert Walser seine besondere Art des Denkmals gesetzt, mit der Aktion «Be an Outsider! Be a hero! Be Robert Walser!» auf dem Bahnhofplatz Biel. Und nun Simone Weil, die geboren in eine grossbürgerliche jüdische Familie in Paris, Zeit ihres Lebens gesellschaftlich, politisch und sozialpolitisch ihre pointierte Meinung vertrat. «Ich mag sie. Sie ist radikal, einzigartig und hat auch heute viel zu sagen.» Hirschhorn sagt es und pinnt ein Plakat an die Wand, das die Vorführung eines Films ankündigt. Er lobt Weils «Reflexion über das Verwurzeltsein, das nicht an Identität, Ethnie oder Reaktion gekoppelt ist, sondern an eine Lebens- oder Aktionsgemeinschaft.»