Landwirtschaftsverband Turin fordert Notstand wegen Dürre
Die italienische Region Piemont kämpft mit der Dürre. Die piemontesische Regierung plant, das Tessin um eine höhere Wassereinspeisung in die Region zu bitten. Gleichzeitig fordert der Turiner Landwirtschaftsverband Coldiretti, den Notstand wegen Dürre auszurufen.
«Wir können keine Minute länger warten», erklärte der Regionalpräsident Alberto Cirio, der am Montag einen Runden Tisch zum Wassernotstand in der Region einberufen hatte, wie die italienischen Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Rund 100 Gemeinden hätten bereits Verordnungen erlassen, um den Verbrauch von Trinkwasser zu regulieren, und in einigen Berggebieten müssten bereits Wassertankwagen ausrücken, erklärte Cirio weiter.
Auch bei der Region Aostatal wolle die piemontesische Regionalregierung eine Erhöhung der Wassereinspeisung für die landwirtschaftliche Nutzung beantragen. Bei der Tessiner Regierung war bis Dienstagnachmittag noch keine offizielle Anfrage aus dem Piemont eingetroffen, wie der Regierungssprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.
Die durchschnittlichen Niederschläge im Juni im Po-Becken weisen im Vergleich zum historischen Monatsmittel der Jahre 1991 bis 2020 ein Defizit von 36 Prozent auf. Die Temperaturen lagen dagegen um 3,5 Grad über dem Durchschnitt. Der Po verzeichnete bei Isola Sant'Antonio in der Nähe von Alessandria eine durchschnittliche Abflussmenge, die um 75 Prozent unter dem historischen Mittelwert lag.
«Ausserordentliche Unterstützung nötig»
Der Turiner Landwirtschaftsverband Coldiretti (Federazione Provinciale Coltivatori Diretti di Torino) – der grösste Landwirtschaftsverband Italiens – verlangte von der Regierung im Nachgang zum Runden Tisch auch eine Ausnahmeregelung bezüglich der Vorschriften zur Mindestwasserführung und zum ökologischen Abfluss, wie die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos schrieb.
Die Anerkennung des Notstands für den Agrarsektor, so der Landwirtschaftsverband, stosse bereits bei vielen Bürgermeistern auf Zustimmung. Sie würde es ermöglichen, ausserordentliche Unterstützungsmassnahmen für die landwirtschaftlichen Betriebe auf den Weg zu bringen, die vor einer immer schwierigeren Saison stünden.