Kreislaufdenken hilft beim klimagerechten Bauen
von Michael Casutt, Projektleiter Energieeffizienz beim Amt für Energie und Verkehr Graubünden, Chur
Etwa 50 bis 70 Prozent der Emissionen im Leben eines Gebäudes entstehen beim Bau. Klimaneutrales Bauen ist heute nicht möglich, denn jedes Haus braucht ein Fundament und Fenster: Weder Beton noch Glas können ohne Emissionen produziert werden. Für eine Reduktion der Treibhausgase braucht es den Willen der Bauherrschaft, das Können in der Planung sowie Lösungen von Herstellern. Eine Herausforderung: Den Überblick behalten, trotz oftmals widersprüchlichen Entscheidungen, basierend auf unterschiedlichen Interessen der Beteiligten.
Die CO2-Bilanz
Der Betrieb einer Liegenschaft CO2-frei zu gewähren ist realisierbar, indem der Energieverbrauch zum einen gering ist und zum andern mit erneuerbarer Energie gedeckt wird. Diese Forderung wird bereits heute gesetzlich verlangt.
Wie viel graue Treibhausgase die Gebäudeerstellung tatsächlich benötigt, wird dem Markt überlassen. Im Zentrum steht künftig auch die CO2-Bilanz beim Bau, die sogenannte graue Energie der Bauteile.
Hortus – Bauen neu gedacht
In Allschwil bei Basel entwickeln Senn, Herzog & de Meuron und ZPF Ingenieure gemeinsam ein Bürogebäude von rund 10 000 Quadratmeter Nutzfläche für umweltbewusste (Tech-)Firmen. Das Bauwerk setzt einen neuen Standard für Nachhaltigkeit: Es zahlt die graue Bauenergie zurück und ist bereits nach einer Generation, also unter 30 Jahren energiepositiv. Dazu wird es aus einem heute noch unüblichen Mix aus Naturmaterialien konstruiert. Dies wird einerseits dadurch erreicht, dass die gesamte verbaute Energie dank Einsatz von ungewöhnlichen Materialien wie Holz, Lehm und Altpapier gering gehalten wird. Andererseits wird die Energieernte über Photovoltaik maximiert. Der geplante Bau trägt den Namen Hortus – House of Research, Technology, Utopia and Sustainability.