Klimagerecht bauen – worauf soll man achten?
von Michael Casutt, Projektleiter Energieeffizienz beim Amt für Energie und Verkehr Graubünden
Architektur kann nicht mit Mathematik definiert werden: zu viele Variabeln, zu viele Unbekannte und zu viel Geschichte. Und doch kommen Architekten nicht um harte Fakten herum, wenn sie den Klimaschutz ernst nehmen wollen.
Die Erstellung und der Betrieb von Liegenschaften verursacht rund vierzig Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses. Mit dem Ziel einer Klimaneutralität bis ins Jahr 2050 muss sich auch die Baubranche neu orientieren.
Neue Lösungen gefordert
Etwa fünfzig bis siebzig Prozent der Emissionen im Leben eines Gebäudes entstehen beim Bau. Klimaneutrales Bauen ist heute nicht möglich, denn jedes Haus braucht ein Fundament und Fenster:
Weder Beton noch Glas können ohne Emissionen produziert werden. Für eine Reduktion der Treibhausgase braucht es den Willen der Bauherrschaft, Planungs-Know-how sowie Lösungen von Herstellern. Eine zentrale Rolle bei diesem CO2-Entzug spielen die Architekten. Es ist eine grosse Herausforderung, den Überblick zu behalten, dies trotz oftmals widersprüchlichen Entscheidungen, basierend auf unterschiedlichen Interessen der Beteiligten.
Die CO2-Bilanz beim Bauen aufbessern
Den Betrieb einer Liegenschaft CO2-frei zu garantieren ist realisierbar, indem der Energieverbrauch zum einen gering ist, und zum andern mit erneuerbarer Energie gedeckt wird. Diese Erkenntnis wird bereits heute gesetzlich verlangt.
Wie viel graue Treibhausgase bei der Gebäudeerstellung verpuffen, wird dem Markt überlassen. Im Zentrum steht künftig auch die CO2-Bilanz beim Bau. Eine solche Bilanzierung ist vergleichbar mit Abnehmen, nur werden an-stelle von Kalorien, Kohlenstoffe gezählt. Viele Stellschrauben können diese Bilanz beeinflussen.