Kleine Schritte für ein grosses Ziel – Ausgang ungewiss
Wenn die Skirennfahrerinnen in Sölden in die Saison starten, fehlt Michelle Gisin. Nach ihrem schweren Sturz Ende 2025 kämpft sich die Obwaldnerin in kleinen Schritten zurück. Der Ausgang ist offen.
«Ich hätte querschnittgelähmt sein können.» Michelle Gisins Worte im März in der SRF-Sendung «Gredig direkt» fuhren ein. Sie zeigten, was bei der 32-Jährigen nach ihrem Sturz im Abfahrtstraining in St. Moritz auf dem Spiel stand. Und liessen erahnen, dass der Weg zurück auf die Rennpisten so steinig wie ungewiss sein würde.
Halswirbelsäule, Knie, Handgelenk, Schulter
Die Liste der Verletzungen war lang, neben dem Knie erwischte es auch Handgelenk, Schulter, Halswirbelsäule und Oberschenkel. Zehn Monate später gibt sich die zweifache Olympiasiegerin optimistisch, doch die Nachwirkungen sind nach wie vor spürbar.
«Es geht immer besser, aber es braucht natürlich noch ein Momentchen. Der Weg ist noch lang», erklärt Gisin. Die Herausforderung liege dabei weniger an einer einzelnen Verletzung als in der Kombination: «Ein kaputtes Knie ist schlimm genug. Aber wenn so viele Baustellen auf einmal zusammenkommen, ist das mental anspruchsvoll und manchmal frustrierend im Training.»
Während das Handgelenk gute Fortschritte macht und das Knie heilt, erfordert der Kraftaufbau im linken Oberschenkel Geduld. Für die Rekonstruktion wurde dort die Quadrizepssehne entnommen. Zudem fungiert der Rücken derzeit oft noch als «Handbremse», wie es Gisin ausdrückt. Übertreibe sie es im Training, fordere der Körper rasch eine Pause ein.
Der verflixte Schnee-Plan
Gisins nächstes grosses Etappenziel ist nach wie vor die Rückkehr auf den Schnee. Noch stand die Engelbergerin seit dem Sturz nicht wieder auf Ski. Vom ursprünglichen Plan, auf dem Gletscher in Zermatt erste Schwünge zu ziehen, musste Gisin ebenso abrücken wie vom Vorhaben, in diesen Tagen auf der Diavolezza wieder Schnee unter den Füssen zu spüren. «Es macht im Moment einfach noch nicht so Sinn», so Gisin.