(K)eine Abenteurerin
von Cindy Ziegler
Mit dem Bündner Wappentier kann Astrid Schmid, die in St. Peter aufgewachsen ist, eigentlich nicht so viel anfangen. Ebenso wenig mit deren Lebensraum. Die Bergwelt hat sie nie in grossem Masse fasziniert, der Alpinismus empfand sie als waghalsig. Und doch sitzt die 51-Jährige an jenem Freitagmittag im April an einem Tisch im «Steinbock» beim Bahnhof Chur. Sie ist zurück in Graubünden mit einem multimedialen Vortrag im Gepäck und einem anderen Verständnis für jene, die die Berge erklimmen. Nach einem grossen Abenteuer auf dem Meer, das andere wohl als waghalsig bezeichnen würden, kann sie die Alpinistinnen und Alpinisten verstehen. Auch, wenn sie lieber von Begegnungen mit Walen, Haien und Delfinen berichtet. Wie im Alpinismus geht es bei den Abenteuern der Bündnerin um Verzicht, körperliche Strapazen und den Fokus auf das Wesentliche. Vor knapp einem Jahr legten Astrid Schmid und ihre Teamgspänli (eine Frau und zwei Männer) nach 4444 Kilometern auf Hawaii an. Zusammen ruderten sie in 43 Tagen einmal quer über den Pazifik.
Es ist ein verregneter Tag, als Astrid Schmid sich in ihrer gemütlichen Stube in Thun einen Dokumentarfilm ansieht. Der Film begleitet das erste Schweizer Ruderteam, das den Atlantik überquerte. Und die Bündnerin ist fasziniert. «Ich dachte sofort, dass ich so etwas auch machen will. Zu diesem Zeitpunkt habe ich jedoch noch nie gerudert», erklärt sie bei einem Latte Macchiato und lacht. Über zwei Jahre lang bereitet sie sich vor. Sie sucht eine Teamkameradin und zwei Teamkameraden. Lernt Rudern auf dem Thunersee. Eignet sich Wissen über das Überleben im offenen Meer an. Es ist alles andere als ein Sich-Treiben-Lassen. Das eigentliche Abenteuer, die Pazifiküberquerung, sei nur etwa drei Prozent des Projektes gewesen, meint sie. Vor dem Pazifik überruderte die Bündnerin im ersten Schweizer Frauenruderteam den Atlantik. Weltweit haben nur 38 Personen beide Meere überrudert. «Das klingt total unromantisch, aber die Vorbereitung ist deshalb auch das, was mir am meisten in Erinnerung bleibt.» Sie blickt aus dem Fenster und überlegt kurz. «Natürlich. Da waren auch wunderschöne Sonnenaufgänge. Sternenklare Nächte. Leuchtendes Plankton. Und meterhohe Wellen.»