Kap Verde vor dem grössten Spiel seiner Geschichte
Der kleine Inselstaat Kap Verde ist so etwas wie die Cinderella-Story dieser WM. Nach dem Erreichen der K.o.-Runde geht es gegen Weltmeister Argentinien. Ein ganzes Land träumt weiter.
Zu dem grossen Fussball-Märchen von Kap Verde erklingt seit ein paar Tagen ein neues Lied. «Messi ist der Nächste. Messi ist der Nächste.» Das singen jetzt die Fans, die das Überraschungsteam des kleinen Inselstaats gerade an der Weltmeisterschaft durch die USA begleiten.
Kap Verde ist die «Cinderella-Story dieser WM», schrieb die «New York Post» schon früh. Ein Aussenseiter qualifiziert sich zum ersten Mal für das wichtigste Turnier der Welt, übersteht ungeschlagen die Vorrunde und fordert jetzt im Sechzehntelfinal auch noch den Weltmeister Argentinien mit dem wohl berühmtesten Fussballer des Planeten heraus (in der Nacht auf Samstag, 0.00 Uhr Schweizer Zeit).
«Für viele ist er ja der Beste aller Zeiten», sagte Kap Verdes Trainer Bubista über Lionel Messi. «Gegen den zu spielen, macht uns stolz!»
Man kann dieses Aschenputtel-Märchen über den kleinen Inselstaat vor der Nordwestküste Afrikas erzählen, der etwa 17-mal weniger Einwohner als die Schweiz zählt. Dessen geschätzter Marktwert des gesamten WM-Kaders 15-mal tiefer ist als jener von Argentinien. Von all diesem Jubel, Trubel und Staunen hatte Kap Verdes Team in den vergangenen Tagen aber erst einmal genug. Bis zum grossen Spiel in Miami schottete sich die Mannschaft von der Öffentlichkeit ab.
Zu viel Trubel
Spieler, die in den ersten zwei WM-Wochen noch ganz offen über die Visaprobleme ihrer Mutter gesprochen hatten oder mit einem Cowboyhut auf dem Kopf über das Spielfeld getanzt waren, gaben seit dem letzten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien keine Interviews mehr. Das erste Training nach der Rückkehr ins Teamquartier in Tampa/Florida fand hinter verschlossenen Türen statt.
Der Einzige, der seitdem vor eine Kamera trat, ist Humberto Bettencourt (51), ein der Fussballwelt bislang gänzlich unbekannter Mann. Der Co-Trainer von Kap Verde sagte am Rande des Trainingsplatzes, man müsse sich erholen und regenerieren.