Kanton will Angebot für Suchtbetroffene überprüfen
Den suchtbetroffenen Menschen im Kanton Graubünden fehlt unter anderem eine stationäre Sozialtherapie und ein Konsumraum. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht, den die Bündner Regierung bei Infodrog, der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht, in Auftrag gegeben hat.
Der Kanton Graubünden verfüge zwar über ein breites Netz der Suchthilfe, es seien aber Lücken in den Leistungsbereichen der Schadensminderung wie dem Testen von Drogen auf ihre Inhaltsstoffe und bei der aufsuchenden Sozialarbeit festzustellen, heisst es darin.
Konsumraum im Stadtpark
Gestützt auf diesen Bericht überprüfe der Kanton aktuell das Angebot für Suchtbetroffene, schreibt die Regierung. Darunter auch die Möglichkeit, eine Kontakt- und Anlaufstelle mit Drogenkonsumraum zu schaffen. Diesen hatte die Stadt Chur unlängst von der Kantonsregierung gefordert.
«Die Situation im Stadtpark ist inakzeptabel»
Als Voraussetzung für einen solchen Konsumraum werden im Bericht ein zentraler Standort und das Tolerieren von Kleinsthandel von Drogen unter Konsumierenden genannt. Die jährlichen Betriebskosten werden mit 400'000 bis 600'000 veranschlagt. Die einmaligen Investitionskosten sollen mit 60'000 bis 90'000 zu Buche schlagen.
Die Regierung überprüfe aber auch Alternativen zu einem Konsumraum, wie den Ausbau des betreuten Wohnangebots mit Konsummöglichkeit oder die Schaffung eines Angebots der aufsuchenden Sozialarbeit.
Das zuständige Departement für Volkswirtschaft und Soziales soll der Regierung vor dem Sommer konkrete Vorschläge unterbreiteten. Der Grosse Rat könne dann in der Dezembersession 2021 über Mittelfreigabe für die Angebote der Suchthilfe entscheiden, schreibt die Regierung. (jas)