«Kann es nicht einfach geniessen, weil es mein letzter Match ist»
Stan Wawrinka wird auch in Monte Carlo mit Lobeshymnen verabschiedet. Für den Waadtländer ist das nicht nur angenehm, sondern ein ziemliches Dilemma.
Die S-Bahn in Richtung Monaco ist an diesem Ostermontag rappelvoll mit Tennisfans. Überall hört man die Frage: «Wen willst du heute sehen?» Und die Antwort lautet fast immer: «Wawrinka.» Die Fans sollten enttäuscht werden – oder auch nicht. Der 41-Jährige unterliegt in der 1. Runde des Masters-1000-Turniers im Fürstentum 5:7, 5:7 gegen Sebastian Baez, die Nummer 64 der Welt. Aber er bietet nach einem 1:5-Rückstand im zweiten Satz noch einmal einen grossen Kampf.
Gemischt sind danach auch die Gefühle bei Wawrinka selber. Nach einer Niederlage wolle man eigentlich so schnell wie möglich vom Platz. In Monte Carlo spielt sich aber ein Spektakel ab, an das sich der Romand in diesem Jahr, seiner letzten Saison als Tennisprofi, gewöhnen muss.
Kein Gefühl des Stolzes
Wie am Australian Open im Januar flimmern auf dem grossen Video-Screen Bilder seiner grössten Erfolge, in diesem Fall natürlich vor allem von seinem Triumph 2014 in Monte Carlo mit dem emotionalen Finalsieg über Roger Federer. Turnierdirektoren und Weggefährten huldigen dem dreimaligen Grand-Slam-Champion. Das wird auch in den kommenden Monaten so sein – und stürzt Wawrinka in ein Dilemma.
«Wenn ich noch das ganze Jahr spielen möchte, muss ich meine Einstellung als Wettkämpfer behalten», erklärt er. «Ich will mich bis zum Ende pushen, mich noch einmal verbessern.» Er gehe in jedem Spiel auf den Platz um zu gewinnen. «Ich kann nicht einfach kommen und es geniessen, weil es vielleicht mein letzter Match ist.»
Fühlt er sich wenigstens glücklich oder sogar stolz, wenn er diese Ehrungen erhält? «Das ist schwierig zu erklären», sagt Wawrinka und überlegt. «Wenn man verliert, ist das ja nicht gerade das schönste Gefühl, da möchtest du so schnell wie möglich Distanz gewinnen», meint der Lausanner. «Stolz? Ich weiss nicht.» Er sei immer ehrlich auf dem Platz, habe immer versucht, so viel wie möglich mit den Fans zu teilen. «Ich habe mich nie gefragt, ob ich jetzt stolz bin oder ob das genial ist, was ich mache. Ich möchte mit dem Publikum kommunizieren und spüre ihre Liebe, Unterstützung und Energie.»