Kann die US-Seeblockade den Iran in die Knie zwingen?
Mit einem dritten Flugzeugträger im Nahen Osten verstärken die USA ihre Seestreitkräfte vor dem Iran.
Damit erhöht US-Präsident Donald Trump in der verlängerten Waffenruhe die Feuerkraft seines Militärs für einen potenziellen Schlag gegen den Iran. Auch die US-Seeblockade stärkt er auf diese Weise. Denn die soll den Iran wirtschaftlich in die Knie zwingen. Aber geht das?
Was soll die Seeblockade bewirken?
Offiziell heisst es, dass die USA mit der Seeblockade Schiffe stoppen wollen, die einen iranischen Hafen ansteuern oder von einem solchen ablegen. Damit sollen Teheran wichtige Einnahmen aus dem Ölexport genommen werden. Trump hat die Streitkräfte auch angewiesen, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an Iran gezahlt haben.
In der Praxis bedeutet das, dass Soldaten der US-Marine diese Schiffe beobachten, eskortieren oder abfangen und wenn nötig auch an Bord gehen – so wie zuletzt auf der «Majestic X». Brisant dabei war, dass sich der Vorfall vor der südlichen Küste Sri Lankas ereignete, also weit weg von der Strasse von Hormus, um die es im Wesentlichen geht.
Trump dürfte es auch um die Hoheit über die wichtige Meerenge gehen. Aus seiner Sicht ist es inakzeptabel, dass Teheran dort den Ton vorgibt und entscheidet, welche Schiffe durchfahren dürfen. Zudem will er damit den Druck auf Teheran erhöhen und die iranische Führung an den Verhandlungstisch bewegen.
Wie steht der Iran wirtschaftlich da?
Schon vor Beginn des Kriegs befanden sich Iranerinnen und Iraner in einer schweren Wirtschaftskrise. Der ökonomische Druck löste Ende Dezember neue Massenproteste aus, die Irans Sicherheitsapparat brutal niederschlug. Der Krieg wurde für die Gesellschaft zur zusätzlichen Belastungsprobe. In den Metropolen berichten Einwohner von explodierenden Preisen und wachsender Hoffnungslosigkeit.
Der Iran zählt als grosser Öl- und Gasproduzent mit China als Hauptabnehmer. Das US-Sanktionsregime gegen das Land macht Verkäufe zu Marktpreisen allerdings schwer. Während der aktiven Kampfhandlungen hatte das israelische Militär das wichtige «South Pars»-Gasfeld im Persischen Golf, petrochemische Anlagen und Stahlwerke angegriffen.