Jonas Omlin will mit Basel wieder top sein
Rückkehrer Jonas Omlin will mithelfen, den FC Basel wieder auf Kurs zu bringen. Die schwierigen Zeiten haben den Torhüter geprägt, nun möchte er seine Erfahrungen weitergeben.
Jonas Omlin ist jemand, der nicht um den heissen Brei herumredet. «Ich bin keiner, der sich versteckt, einfach nur seinen Stiefel herunter spult und gut ist es», sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Wenn ich mich für einen Verein entscheide, dann haben sie das volle Commitment von meiner Seite, und zwar in jedem Bereich», sagt der 32-Jährige.
Omlin kehrte nach sechs Jahren im Ausland in die Schweiz zurück. 2020 wechselte er vom FC Basel nach Frankreich zu Montpellier. Beim Verein aus der Ligue 1 überzeugte er mit starken Leistungen, 2023 schloss er sich dem Bundesligisten Borussia Mönchengladbach an und wurde dort gleich in seiner ersten Saison zum Captain des Teams ernannt, was einiges über seine Persönlichkeit aussagt.
Aus Rückschlägen gelernt
Nach nur zwei Partien verletzte er sich allerdings an der Schulter, musste sich einer Operation unterziehen und fiel bis Ende März 2024 aus. Auch danach kämpfte er immer wieder mit Verletzungen, so auch zu Beginn der Saison 2024/25. In der Folge verlor er seinen Stammplatz. Im Januar dieses Jahres lieh ihn Mönchengladbach an Bayer Leverkusen aus, doch auch bei der Werkself kam er nicht zum Einsatz. In der gesamten letzten Spielzeit bestritt er keine einzige Partie.
Jammern passt jedoch nicht zu Omlin. Vielmehr zog er Spezialisten für Regeneration und Ernährung bei. Dabei setzte er sich auch mit dem Thema Supplementierung auseinander. «Ich versuchte, beim ganzen Ablauf, was meinen Körper angeht, das Maximum herauszuholen», erzählt Omlin. «Es war viel, aber sehr spannend. Ich lernte neue Leute kennen, die mir enorm halfen und mir etwas fürs ganze Leben mitgaben. Von den gemachten Erfahrungen werden auch meine Kinder profitieren. Ich würde im Nachhinein jedem Fussballer empfehlen, sich sehr stark mit dieser Materie zu befassen. Ich fühle mich nun viel besser, wenn ich am Morgen nach harten Einheiten aufstehe, weiss ich, was mir gut tut.»
Sinnfrage stellte er sich nie
So privilegiert Omlin als Fussballer ist, hat er sich einst in der Doku-Serie «The Pressure Game» auch über die Schattenseiten geäussert und dabei unter anderem gesagt, dass viele Dinge im Fussball nicht cool seien. Deshalb die Frage: Hat er sich in den schwierigen Zeiten nie die Sinnfrage gestellt? «Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich bin ein Mensch, der weder gross in die Vergangenheit noch in die Zukunft schaut, sondern versucht, aus jedem Tag das Beste herauszuholen. Viele sagten, dass das, was mir alles passiert ist, nicht gerade das Schönste sei, aber für mich hat das dazugehört, und ich zog die richtigen Schlüsse daraus.»
Eine interessante Aussage von Omlin in der Doku-Serie war auch: «Sobald ich vom Platz gehe, bin ich der Typ, der das Leben geniesst. Das beisst sich oft mit dem Fussball.» Heute sagt er dazu: «Ich würde diese Aussage mittlerweile etwas revidieren, weil ich nun mehr in meinen Job investiere als früher. Es ist intensiver geworden. Aber trotzdem braucht es eine gewisse Balance – im ganzen Leben. Was für mich immer sehr wichtig ist, ist eine positive Stimmung. Ich bin kein Freund davon, sich in etwas hinein zu verkrampfen und nur noch Augen dafür zu haben.»
Diese Einstellung half Omlin auch dabei, die schwierige Phase zu bewältigen. Er ist nun noch professioneller unterwegs und möchte mithelfen, den FC Basel nach einer enttäuschenden Saison ohne Titel und Rang 5 in der Meisterschaft wieder auf Kurs zu bringen. Der Zeitpunkt der Rückkehr in die Schweiz hätte für ihn besser nicht sein können, da sein älterer Sohn in den Kindergarten kommt.
Basel nun mit anderen Voraussetzungen
Obwohl Omlin in der Zentralschweiz aufgewachsen ist, ist die Rückkehr zum FCB für ihn wie ein Heimkommen. Allerdings wohnt er in Luzern, da dort nach der Fussballkarriere sein Lebensmittelpunkt sein wird. In Basel hat er einen Vertrag bis 2029 unterschrieben, und sein erster Eindruck stimmt ihn positiv: «Die Stimmung im Team ist sehr gut. Wir haben keine Diven, die aus der Reihe tanzen.»
Wie erlebt er Trainer Stephan Lichtsteiner, dessen Verpflichtung bisher nicht den gewünschten Effekt hatte? «Es kommt ihm zugute, bei der Kaderplanung involviert zu sein. Man sieht klar, dass er auf hohem Niveau Fussball gespielt und viele Erfolge gefeiert hat. Diese Erfahrungen kann er insbesondere mit den jungen Spielern teilen. Er ist sehr engagiert – wie der gesamte Staff.»
Die hohen Ansprüche beim FCB gehören für Omlin dazu. Allerdings betont er, dass die Möglichkeiten nicht mehr dieselben seien wie zu jenen Zeiten, als Basel mehrfach direkt für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert gewesen sei. Aufgrund dieser fehlenden Gelder müsse nun mehr auf junge Talente gesetzt werden. «Das ist auch ein Grund, warum ich zurückgekommen bin – um meine Erfahrungen weiterzugeben. Zudem hat Thun aufgezeigt, was mit einem guten Kollektiv, einer guten Stimmung sowie der nötigen Ruhe und Balance im Verein alles möglich ist.»
Dazu möchte Omlin seinen Beitrag leisten, umso mehr, als er in seiner Karriere noch nie Meister geworden ist. Falls nötig, wird er dafür auch kein Blatt vor den Mund nehmen.