Invasive grosse Tiere in Seen: Jede zweite Art macht Probleme
Erste globale Bestandsaufnahme
Flusspferde in Kolumbien, Brillenkaimane in China, Nilbarsche im Viktoriasee: Erstmals haben Forscher eine globale Bewertung von invasiven Süsswassertieren mit einem Gewicht ab 30 Kilogramm vorgenommen.
Das Team um Fengzhi He von Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) identifizierte weltweit insgesamt 93 Süsswasser-Megafauna-Arten, die ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets eingeführt wurden. Das ist fast die Hälfte (43 Prozent) aller 216 existierenden Arten.
Solche Einführungen betreffen 142 Länder und Regionen auf allen Kontinenten ausser der Antarktis, wie das Team im Fachjournal «One Earth» berichtet. Die höchste Anzahl an eingeführten Süsswasser-Megafauna-Arten haben die USA mit 52 Spezies, gefolgt von China (28), Kanada (23), Russland (19) und Belgien (18). Knapp dahinter kommt Deutschland mit 17 solcher invasiven Arten.
Beispiel: Nilbarsche im Viktoriasee
Im Gegensatz zu kleineren Tieren, die oft unbemerkt in neue Gewässer eingeschleppt werden, etwa weil sie an Schiffsrümpfen haften oder von Vögeln transportiert werden, werden grosse Arten bewusst in fremde Gebiet gebracht – oft wegen vermuteter wirtschaftlicher Vorteile. Der Studie zufolge haben von jenen 59 gebietsfremden grossen Süsswassertieren, für die ein Nutzen dokumentiert ist, jedoch 26 auch negative Auswirkungen – also fast die Hälfte. Dies betreffe insbesondere grosse Fischarten wie Karpfen, Lachsartige und Welse.
Ein Beispiel: In den 1960er Jahren wurden Nilbarsche (Lates niloticus) bewusst im Viktoriasee angesiedelt, um die dortige Fischerei zu unterstützen. Stattdessen schrumpften mit der Ausbreitung der gefrässigen Räuber, die bis zu 200 Kilogramm auf die Waage bringen, die Bestände einheimischer Fische. Viele Fischer verloren ihre Lebensgrundlage, und in den umliegenden Gemeinden stieg den Forschern zufolge die chronische Unterernährung bei Kindern und Müttern.