In Trumps Kopf Chaos, aus Moskau nur Lügen

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow schliesst die Möglichkeit eines Gipfeltreffens zwischen Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin aus. Er verweist auf die Tagesordnung der Istanbuler Gespräche vom April 2022. Damit macht er fast alle Bemühungen um Friedensgespräche seit Donald Trumps Amtsantritt zunichte.
Es wäre jedoch unfair zu sagen, dass alle Bemühungen um Friedensgespräche ohne Wirkung waren. Wie der ehemalige russische Präsident Dmitrij Medwedew erwähnte, konnte die ganze Welt beobachten, dass es durchaus möglich ist, gleichzeitig Krieg zu führen und Friedensgespräche zu führen. Trump hat diesen Ansatz normalisiert.
Die ganze Welt hat zudem gesehen, dass es der US-Präsident ist, der keine Karten hat. Wie ein amerikanischer Analyst bemerkte, hat Trump seine Karten verspielt. Wenn er Erfolg haben will, muss er diese Karten zurückgewinnen.
Die ganze Welt hat überdies gesehen, dass der amerikanische Präsident leicht manipuliert, um nicht zu sagen zum Narren gehalten werden kann. Die erste Runde des Kampfes um die Formatierung des Chaos in Trumps Kopf ist damit vorbei.
Es ist nie leicht zu verstehen, was Trump wirklich meint. Er kann starke Aussagen verwenden, nur um sein Gegenüber dazu zu bewegen, in die gewünschte Richtung zu handeln. Er kann prahlen, einfach weil er gerne prahlt und Schmeicheleien mag. Er kann übertreiben, um der schönen Grösse willen – Trump mag alles, was gross ist. Er kann auch schlecht informiert sein oder versuchen, komplexe Angelegenheiten mit profanem gesundem Menschenverstand zu behandeln.
Auf der anderen Seite ist immer klar, dass Russland lügt. Auch wenn Lawrow Trumps Idee, dass Putin den Vorschlag eines Treffens mit Selenskyj angenommen habe, dementiert, können wir nicht sicher sein, dass Lawrow aufrichtig ist.
Putin selber lügt auch, aber er tut es auf eine andere Art und Weise. Als Zar auf dem grossen Berg hat er das Privileg, einem direkt ins Gesicht zu lügen. Wenn Putin eine weitere Absurdität artikuliert, sollte man ihm besser glauben.
Das russische Imperium hat sich nie verändert. Die russische Diplomatie hat sich nie verändert. Bluff, Erpressung und Druck sind die russische Methodik. Lawrow und Putin sind fleissige Schüler des sowjetischen Diplomatiechefs Andrej Gromyko.
Die Gromyko-Methode: «Erstens: Fordere alles, was du kannst, und scheue dich nicht, hohe Forderungen zu stellen. Fordere Dinge, die dir nie gehört haben. Zweitens: Stelle Ultimaten. Drohe mit Krieg, spare nicht mit Drohungen, und biete als Ausweg aus der Situation Verhandlungen an. Im Westen wird es immer Leute geben, die darauf hereinfallen. Drittens: Sobald du Verhandlungen aufgenommen hast, gib keinen Millimeter nach. Sie werden dir einen Teil dessen anbieten, was du gefordert hast. Aber selbst dann stimmst du nicht zu, sondern presst noch mehr heraus. Sie werden mitmachen.»