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Schweiz & Welt

Molok-System in der Sackgasse?

Andri Dürst
30.08.2023, 06:48 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Die Geschichte beginnt im Jahr 2013. Der Grosse Landrat (GL) überwies damals ein Postulat von EVP-Landrat Christian Thomann betreffend «Weiterentwicklung des Konzeptes zur Sammlung des Haushaltkehrichts». Thomann wollte damit eine Arbeit, die die Gemeinde in den Nullerjahren begonnen, aber infolge der Sparmassnahmen zurückgestellt hatte, wieder aufnehmen. So liess man von einer Firma ein Konzept, das die Errichtung eines flächendeckenden «Molok»-Netzes vorsieht, ausarbeiten. Am 3. November 2016 genehmigte der GL dieses Konzept schliesslich und akzeptierte so zugleich ein Endzieldatum per 2027.

Lieber nicht vor dem eigenen Haus

Seit dem GL-Beschluss wurde sodann das Molok-Netz stetig ausgebaut – jedoch nicht so schnell, wie man es sich erhofft hatte. So schreibt die Gemeinde in ihrem Jahresbericht von 2021: «Die Umsetzung des Systems mit den Tiefsammelstellen gestaltet sich als relativ schwierig. Potenzielle Standorte auf gemeindeeigenen Parzellen sind zum grössten Teil verbaut oder von der Lage her unpassend. Auf privaten Grundstücken wird dafür nur ungern Land zur Verfügung gestellt. Jeder hätte zwar gerne möglichst nahe eine Sammelstelle, aber auf keinen Fall auf dem eigenen Boden.» Im selben Jahr informierte man auch den GL über den Stand der Dinge in Sachen Moloks. In einer Präsentation wurde aufgezeigt, welche Punkte erfüllt sein müssen, damit ein Molok gebaut werden kann: Bauplatz ohne Werkleitungen im Boden; Zufahrtsmöglichkeiten für Entsorger und Kehrichtlastwagen (möglichst ebene Standfläche sowie Entsorgung und Leerung ohne Behinderung des übrigen Verkehrs); Einwilligung Grundeigentümer. Stand 2021 hatte die Gemeinde 33 Standorte mit total 55 Moloks geschaffen. Wie Patrick Gurini, Leiter Technische Betriebe, auf Anfrage der DZ bekannt gibt, seien letztes Jahr 15 weitere Moloks hinzugekommen. Dass es nun etwas mehr vorwärtszugehen scheint, ist auch dem Jahresbericht 2022 zu entnehmen: «Die Zustimmung dieser Sammelart gewinnt immer mehr an Bedeutung. Sowohl die Einheimischen wie auch die Gäste erkennen die Vorteile der tagesunabhängigen Entsorgung je länger je mehr. Aus diesem Grund erhalten wir mittlerweile auch Standort-Vorschläge von Verwaltungen und Grundeigentümern.» Der vorhandene Molok an der Kreuzung Bünda-/Dischmastrasse beispielsweise sei dermassen rege benutzt worden, dass man ihr praktisch täglich leeren musste und deshalb nun einen zweiten hinzugebaut habe. Wie Gurini ergänzt, seien im aktuellen Jahr zwei Standorte bei der Eishalle realisiert worden, ein weiterer befinde sich gerade in der Baueingabe. Doch wieso wurden bei der Eishalle gleich sechs Moloks auf relativ kleinem Raum erstellt? Der Leiter Technische ­Betriebe erklärt: «Bei der Eishalle sind je einer pro Seite öffentlich, die anderen sind privat für die Eishalle und werden auch in dieser Menge benötigt. Wir bauen nicht einfach etwas, das nicht benötigt wird».

Zwängerei verhindern

Es stellt sich nun die Frage, ob das Konzept wirklich bis in dreieinhalb Jahren umgesetzt werden kann. So reichte FDP-Landrat Hans-Jörg Valär letztes Jahr ein Postulat ein, das die Aufhebung des Enddatums verlangt. Seinen Vorstoss begründet er gegenüber der DZ so: «Die gemeindeeigenen Parzellen, auf denen der Einbau eines Moloks möglich ist, sind ausgeschöpft. Auf Privatparzellen wurden ebenfalls diverse erstellt, dies mit Zustimmung des Grundeigentümers und an Orten, wo es wenig bis gar nicht stört. Nun werden aufgrund fehlender Plätze Moloks im Hinblick auf das Enddatum 2027 unter Druck an teils doch sehr problematischen Stellen platziert». Er glaube nicht, dass das Konzept bis zum vorgegebenen Enddatum abgeschlossen werden könne. «Ich habe den Vorstoss eingereicht mit der Absicht, dass dieses Projekt über einen längeren Ausführungszeitraum erfolgen soll und so natürlich wachsen kann.» Valär bringt auch eine mögliche Enteignung von Parzelleneigentümer für die Errichtung von Moloks bis Ende 2027 ins Spiel. Ein absolutes «No-Go», wie er betont. «Die negativen Auswirkungen eines zu weiten Weges bis zum nächsten Molok liegen ebenfalls auf der Hand», ergänzt er.

Tag X soll kommen

Diesen Argumenten kann Thomann nichts abgewinnen. Er bestreitet zwar nicht, dass es Probleme bei der Standortfindung gebe, aber die lange Umsetzungsdauer erstaune ihn schon. «In Klosters erfolgte die Umstellung auf ein Tiefsammelsystem deutlich schneller», gibt der EVP-Landrat zu bedenken. Die in Davos immer noch oft herumliegenden Müll­säcke möchte er lieber «heute als morgen» in den Untergrund verbannt sehen, schliesslich seien sie auch in Bezug auf die zunehmende Wolfspopulation ein Problem. «Deshalb plädiere ich dafür, einen Stichtag anzusetzen, nach dem keine Kehrichtsäcke mehr am Strassenrand deponiert werden dürfen», so sein Vorschlag. Die Leerung von Containern könne sicherlich weiterhin noch erfolgen. Sobald Valärs Postulat in einer GL-Sitzung traktandiert ist, dürfte die Diskussion in der Molok-Frage in die heisse ­Phase gehen. Uneinigkeit ist vorprogrammiert.

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