«Nun gibt es auch anderes als Sport»
DZ: Marino Capelli, Sie haben kürzlich Ihren Rücktritt vom Spitzensport gegeben. Warum gerade jetzt?
Im April 2020 verlor ich meinen Kaderstatus bei Swiss-Ski und machte mit dem Tod meines Vaters auch privat eine schwierige Zeit durch. Da hatte ich mir zum ersten Mal überlegt, ob ich zurücktreten solle, denn ohne Kaderstatus wird vieles schwerer, beispielsweise die Sponsorensuche. Schlussendlich habe ich dann aber doch anders entschieden und mich dem Pro-Team des Bünder Skiverbands angeschlossen mit dem Ziel, nochmals in den Weltcup zurückzukehren. Es war aber schwierig, mich für höhere Aufgaben zu empfehlen: Meine Fortschritte wurden aber nicht mit einem Weltcup-Start belohnt, obwohl ich nochmals alles versuchte. Ich entschied mich, mehr für mich selbst zu schauen, und schloss mich dem Ibex-Team des BSV an. Ich wollte zwar mein Potenzial nochmals ausschöpfen, es wurde aber immer schwerer, die nötigen finanziellen Mittel aufzutreiben. Zusätzlich kamen Mitte der vergangenen Saison bei mir die Gedanken auf, dass ich mein Potenzial wohl ausgeschöpft habe. Ich war nicht mehr kompromisslos bereit, den ultimativen Einsatz zu leisten. Dazu kamen leichte gesundheitliche Probleme. Während eines 70-Kilometer-Rennens kamen mir die erwähnten Gedanken, und das war für mich ein Zeichen, dass es wohl Zeit ist für eine Neuorientierung.
Weshalb starteten Sie dann vor allem noch in Langstrecken-Rennen?
Das Ibex-Team bestreitet ausschliesslich Langstrecken-Klassiker der «Skiclassic» (Langdistanzweltcup), und wenn man mal aufgenommen wird, hat man seinen Platz zumindest bis zu Ende Saison und kann solide und ohne Selektionsdruck planen. Im Sprintbereich würde ich mich nicht als den stärksten Athleten beschreiben. Die langen Rennen sagen mir deutlich mehr zu.