«Du wirst Koch oder Fussballprofi»
Anders Solberg wuchs in einem kleinen Dorf rund eine Stunde von Oslo entfernt auf. Die Geschichte, wie es so weit kommen konnte, dass der gebürtige Norweger in Davos landete, heute als Sous Chef im Hilton arbeitet und als Bikeguide Touristen durch die Davoser Bergwelt führt, ist sicherlich einzigartig. «Das erste Mal nach Davos kam ich im Winter 2009. Ich durfte die letzten drei Monate meiner Kochlehre auf der Schatzalp arbeiten», erzählt er, «der Start war eher schwierig. Mein Chefkoch konnte kein Englisch, ich kein Deutsch. Doch in den Ort und die Landschaft und auch die Leute habe ich mich trotz anfänglicher Kommunikationsschwierigkeiten sehr schnell verliebt und bin froh, dass ich nun schon seit Jahren hier heimisch bin.»
Allerdings ging es für den Jungkoch nach den drei Monaten auf der Schatzalp erst mal zurück nach Norwegen, wo er die Lehre erfolgreich abschloss. «Nach dem Abschluss wurde mein Werdegang aber etwas wild», sagt er lächelnd. Und dies muss fast als Untertreibung angesehen werden.
Von der Küche, in den Kindergarten, zur eigenen Firma
Zunächst arbeitete er noch kurze Zeit als Koch, bevor er in einem Kindergarten anfing. «Zu der Zeit war ich Schlagzeuger in einer Band und als Betreuer hatte ich mehr Zeit für die Musik», erklärt er. Doch auch der Kindergarten war nur eine Station. «Ich machte eine Ausbildung zum Stuntman, drehte Werbungen und trat an Events auf», sagt er nonchalant. Ebenfalls hat er an verschiedenen Filmen hinter den Kulissen mitgearbeitet. Einer davon, der «22. Juli», ist gar auf Netflix zu sehen.
«Als ich mich ausgetobt hatte, arbeitete ich mit meinem Vater in der eigenen Firma», geht seine Geschichte weiter. Und was hat die Firma wohl gemacht? Genau, Markisen und Storen. Doch genau dieser Job brachte Solberg zurück in die Küche. «Da wir im Winter um einiges weniger zu tun hatten, machte ich ab dem Winter 2017 die Wintersaisons jeweils wieder in Davos», erläutert er. 2019 wurde ihm ein Ganzjahresjob als Sous Chef im Hilton angeboten. Er nahm diesen an und nennt seit da Davos sein Zuhause. «Ich mag die Leute, die Natur und die vielen Möglichkeiten hier. Das hatte ich noch nirgends zuvor». Zudem sei er sehr glücklich, zurück in der Küche zu stehen und seine Leidenschaft zum Essen wieder ausleben zu können. Ganz so, wie es seine Mutter einst entschied.