Im Freilichtmuseum des Lawinenschutzes
«Der Wind ist der Baumeister der Lawinen», sagt ein Sprichwort. So gibt es am Schiahorn bereits alte Mauern, die der Falllinie entlang verlaufen. Dieses neue Hindernis soll dafür sorgen, dass sich in seinem Windschatten der Triebschnee ablagert. Am Dorfberg befindet sich bereits ein neuerer Triebschneezaun aus Holz, der den gleichen Zweck erfüllt, einfach wesentlich kosteneffizienter. Allerdings könnte man auch diesen bereits wieder optimieren. Erfahrung und Experimente im Windkanal zeigten, dass ein Bodenspalt für einen bodennahen Düseneffekt sorgt, der verhindert, dass die Verbauung eingeschneit wird. «Ebenfalls am Dorfberg sehen wir sogenannte Kreuzkolktafeln, künstliche Bäume», erklärt Margreth. Der Begriff Kolk bezeichnet den Trichter, den die erzeugte Verwirbelung um den «Stamm» freibläst. Aneinandergereiht können diese freigeblasenen Löcher für Unterbrechungen im Schneedeckenaufbau sorgen und so die Ausbreitung einer Lawine verhindern. Die Stellwände entlang der Parsennbahn hingegen seien sogenannte Umlenkwände, fährt Margreth fort. Sie lenkten den Wind in die gewünschte Richtung, um dem Einblasen von Schnee aufs Bahntrasse entgegenzuwirken. Über der Felswand am Grat des kleinen Schiahorns befindet sich noch eine Triebschneeschanze. Das ist eine Holzplattform, die den Grat um einige Meter über die Felswand hinaus verlängert. In den Augen des Lawinenschutz-Experten ist das allerdings ziemlich unsinnig. Darum ist sie auch dem Zerfall preisgegeben, wie die unter dem Panoramaweg verstreut herumliegenden Holzbalken bezeugen.
Klimawandel als neue Herausforderung
«Jede neuartige Intervention am Berg ist ein Experiment, das dem jeweiligen Wissenstand entspricht», erklärt Margreth. Das Nebeneinander der verschiedenen Ausbauetappen und Formen von Verbauungen macht das Davoser Schiahorn quasi zum Freilichtmuseum der Entwicklung im Lawinenschutz. Gleich unterhalb der Station Höhenweg klaffen im Hang vegetationslose Wunden. Das ist das typische Bild von Gleitschneelawinenhängen. Sie entstehen, wenn der Schnee auf einem schmierigen Wasserfilm zwischen Schneedecke und Boden langsam abrutscht. Anfänglich zeugen sich öffnende Risse in der Schneedecke, sogenannte «Fischmäuler», von der Bewegung. Doch plötzlich kann die ganze Schneedecke abgleiten aber oft passiert auch gar nichts. Das macht sie besonders unberechenbar für Rettungsdienste, die für die Sicherheit darunterliegender Skipisten verantwortlich sind. Gleich zwei aktuell laufende Forschungsprojekte versuchen, diese heimtückische Lawinenart besser zu verstehen.