«Ich weiss nicht, wie ich das überlebt habe»
Jérôme Kym gelingt an den Swiss Indoors in Basel gegen den topgesetzten Ben Shelton ein Wahnsinns-Exploit. «Surreal» fühle sich das an, staunt der 23-jährige Aargauer aus dem Fricktal.
Die Nummer 222 der Welt, die nur dank einer Wildcard dabei ist, bezwingt in einem Krimi mit unglaublichen Wendungen und nach halb ein Uhr am Morgen den Weltranglisten-Vierten und US-Open-Finalisten im Tiebreak des dritten Satzes. «Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich das bei 5:6 überlebt habe», wundert sich Jérôme Kym nach dem 6:3, 6:7, 7:6-Sieg gegen Ben Shelton.
Der Schweizer hatte alle Trümpfe in der Hand, führte im Entscheidungssatz bereits mit Doppel-Break 5:2 und hatte bis zu dem Zeitpunkt noch kein einziges Mal seinen Aufschlag abgegeben. Doch da versagten ihm auf einmal die Nerven. Kym wendete das Blatt aber noch einmal, nachdem er vom 5:2 zum 5:6 vier Games in Folge verloren hatte.
«Das Joggeli bebt»
«Ich weiss immer noch nicht, was ich sagen soll», meint der Fricktaler kurz nach dem Spiel fast entschuldigend. «Punkt für Punkt spielen», zieht er eine Tennis-Binsenwahrheit als Erklärung heran. Im Tiebreak habe er zu sich gesagt: «Bei jedem Punkt, den du gewinnst, schreist du laut, machst die Faust und zeigst ihm, dass du unbedingt gewinnen willst.»
Dass es am End geklappt hat, überrasch ihn selber. «Es fühlt sich surreal an. Aber ich habe wirklich daran geglaubt, dass ich ihn schlagen kann.» Getragen von einer trotz der späten Stunde und nicht mehr vollen Rängen elektrisierenden Stimmung, wuchs Kym über sich hinaus. «Es war mega», schwärmt der Fast-Basler. «Das Joggeli bebt, wenn es voll ist, das ist immer extrem hier.»