«Ich hatte Angst davor, am Ende enttäuscht zu sein»
Julien Sprunger ist die Personifizierung des Freiburger Märchens mit dem ersten Meistertitel in der Klubgeschichte. Noch auf dem Eis spricht er über Träume, Zweifel und baldige Arbeitslosigkeit.
In der Pause vor der alles entscheidenden Verlängerung spielt der Stadion-DJ in Davos den Kulthit von Hecht mit der Songzeile «Solang ech no Luft i minere Lunge ha». Einer, der am Donnerstagabend trotz seiner 40 Jahre und einem Playoff-Bart mit bereits deutlich sichtbaren Grautönen bis zum Ende Luft hat, ist der Freiburger Captain Julien Sprunger, der nach 1186 Spielen auf dem Höhepunkt abtritt.
Mitten im Trubel auf dem Eis, nachdem er den Pokal als Erster in die Höhe gestemmt hat, ist Sprunger nicht zu übersehen. Nicht nur wegen seiner imposanten Statur von 1,94 m, sondern weil sich um ihn herum konstant eine Traube von Spielern, Bekannten und Fans bildet. Ihn vors Mikrofon zu bekommen, ist deshalb eine schwierige Aufgabe. Doch auch in der offiziell letzten Stunde seiner beruflichen Laufbahn als Hockeyprofi bleibt der fast perfekt zweisprachige Stadt-Freiburger und dreifache Familienvater ein Vorbild. Schliesslich stellt er sich geduldig den Fragen.
Julien Sprunger, dieses Ende ist fast schon zu kitschig, nicht?
«Ja, fast. Es ist fast wie ein Hollywood-Szenario heute Abend. Final, Game 7, Overtime, das ist einfach unglaublich. Nicht nur für mich, nicht nur für die Mannschaft, für den ganzen Klub, den ganzen Kanton. Jedes Spiel ist ausverkauft, und heute bringen wir den Titel nach Hause.»
Haben Sie überhaupt von so etwas zu träumen gewagt?
«Natürlich geht einem das durch den Kopf, aber ich wollte so wenig wie möglich daran denken. Ich hatte Angst davor, am Ende enttäuscht zu sein. Jetzt kann ich es voll geniessen.»
Was bedeutet dieser erste Titel für den Verein?
«Wir sind die Mannschaft, die am längsten in dieser Liga ist. Und nie haben wir etwas gewonnen. Letztes Jahr den Spengler Cup, aber das war etwas anderes. Das ist der nächste Schritt, den wir brauchten. Wir haben so hart dafür gearbeitet. Es war nicht immer schön, aber am Ende zählt, dass du dir eine Chance gibst. Jeder Tag, jedes Training, jedes Meeting, war da um zu gewinnen, und jetzt hat es geklappt.»