«Ich habe das Spektakel der höchsten Demokratie erlebt»
Falls ein Glarner Tourist in Sri Lanka sich am Wochenende eine Ausgabe der singhalesisch-sprachigen Zeitung «Silumina» griff, ein bisschen darin blätterte, und irgendwann auf Seite 20 landete, erkannte er dort den Glarner Baudirektor Kaspar Becker – er richtet den Blick in die Ferne, streckt die Hand zum Schwur.
Und falls dieser Tourist einen Einheimischen fragte, was denn unter dem Kaspar Becker steht, hätte dieser geantwortet: «Ich habe das Spektakel der höchsten Demokratie miterlebt.»
«Landsgemeinde fasziniert mich»
Das Spektakel ist die Glarner Landsgemeinde – und miterlebt hat es die Journalistin Sunethra Athugalpura. Sie berichtet für die 200 000 Leser der Wochenzeitung «Silumina» über ihre neue Heimat. Athugalpura flüchtete 2008 mit ihrem Mann Sasi Subramaniam in die Schweiz. Heute leben sie mit ihren zwei Kindern in Mollis, Subramaniam arbeitet als Fotograf für die «Glarner Nachrichten».
«Die Landsgemeinde hat mich fasziniert», erzählt Athugalpura. «Wir sind schliesslich wegen der mangelnden Demokratie in Sri Lanka hierhergekommen.» Wenn sie ihren Bekannten von Glarus erzählen, kommt die Landsgemeinde immer zuerst: «Alle unsere Freunde wissen von der Landsgemeinde», sagt Athugalpura und lacht.
Würste und schlechtes Wetter
Allerdings ist Athugalpuras Text keine Lobhudelei, sie befasst sich durchaus kritisch mit der Landsgemeinde. Etwa dass die Abstimmungsresultate bei knappen Mehrheitsverhältnissen nicht immer zweifelsfrei seien: «Es ist bemerkenswert, dass das Auge über die Mehrheit bestimmt», schreibt sie.
Ausserdem erfahren die Sri Lanker: Dass Marianne Dürst als erste Frau die Landsgemeinde leitete, dass das Wetter meistens schlecht sei und dass tausende Kalberwürste verkauft und gegessen werden.
Bei den Lesern in Sri Lanka scheint die Landsgemeinde gut angekommen zu sein. «Der Redaktor hat mir erzählt, dass viele sich auch eine solche Form der Demokratie wünschten», sagt Athugalpura. Ein Grossteil der Rückmeldungen, welche sie erhielt, hatte aber ein anderes Thema: Bekannte und alte Kollegen freuten sich, dass sie wieder schreibt.