Hundegehirn schrumpfte im Zuge der Zähmung um die Hälfte
Kleineres Gehirnvolumen
Das Gehirn von Hunden schrumpfte einer Studie zufolge im Zuge ihrer Domestikation zeitweise um etwa die Hälfte. Frühe Urhunde hätten noch ein ähnlich grosses Gehirn gehabt wie ihre Wolfsverwandten, berichten Wissenschaftler im Fachjournal «Royal Society Open Science».
Bis vor 5000 Jahren sei das Gehirn dann aber dramatisch um fast die Hälfte (46 Prozent) geschrumpft. Die Grösse habe nur noch der heutiger kleiner Terrier- und Zwerghundrassen entsprochen.
Folge könnte ein verändertes Temperament von Hunden gewesen sein, mutmasst das Team um Thomas Cucchi vom Muséum national d'Histoire naturelle (MNHN) in Paris. Die Hirnverkleinerung könne die Tiere aufmerksamer und vorsichtiger gemacht haben – Eigenschaften, die in alten menschlichen Gesellschaften wertvoll gewesen sein könnten. Die Forschenden hatten 207 Schädel einbezogen, 185 von modernen Hunden, Dingos und Wölfen sowie 22 prähistorische. Die ältesten Exemplare waren 35'000 Jahre alt. Mit Hilfe von CT-Scans wurden virtuelle Abdrücke der Schädelinnenräume erstellt. Deren Volumen gilt bei fossilen Schädeln als zuverlässiger Hinweis auf die Grösse des Gehirns.
Herausforderndes Zusammenleben
Vorläufer moderner Hunde aus der Eiszeit zeigen demnach keine Anzeichen einer verkleinerten Gehirngrösse im Vergleich zu Wölfen jener Zeit. Bei einem Fund in Belgien sei das Schädelinnenvolumen sogar etwas grösser. Das Leben in menschlicher Nähe habe möglicherweise neue kognitive Herausforderungen wie komplexere soziale Interaktionen und die Nutzung neuer Nahrungsquellen geschaffen, vermuten die Wissenschaftler als Grund.
Rund 30'000 Jahre später zeigt sich ein anderes Bild: Das Gehirnvolumen von Hunden war deutlich geschrumpft. Zudem seien die Tiere kleiner geworden, führen die Forschenden aus. Schätzungen zufolge erreichten sie eine Schulterhöhe von 35 bis 45 Zentimetern. Ihre Schädel hätten in Form und Grösse denen moderner Hütehunde geähnelt.