Hug findet Bundesratsentscheid «gelinde gesagt inakzeptabel»
Es sei «gelinde gesagt inakzeptabel», dass der Bundesrat erst eine voraussichtliche Öffnung der Bergbahnen für den 8. Juni festgelegt habe, findet Martin Hug, Präsident des Branchenverbands Bergbahnen Graubünden. Der definitive Entscheid für die Bergbahnen wird am 27. Mai erwartet.
Der öffentliche Verkehr werde bis am 11. Mai hochgefahren, und man sehe sich als gleichwertigen Bestandteil der Mobilitätslandschaft Schweiz, sagt Hug. Die Bergbahnen wären dazu auch in der Lage, «mit geeigneten Sicherheitsmassnahmen», wie er sagt. Man habe die gleichen Möglichkeiten wie der restliche ÖV, um die Gäste zu schützen. Bei den Verkaufsstellen könnten die Betreiber Schutzkonzepte des Detailhandels anwenden. Ideen wären vorhanden.
Unklares Datum belastet
Hug hätte sich zumindest ein klares Datum gewünscht. Wenn Ende Mai der Entscheid des Bundesrates falle, würden die Bergbahnbetreiber nicht einmal die Auflagen kennen. Ein längerer Vorlauf als ein paar wenige Tage wäre wünschenswert geblieben, sagt Hug. Denn: «Wir müssen Leute rekrutieren und schulen.» Die Kunden würden sich wegen der unklaren Lage verunsichert fühlen. Weder Jahres- noch Sommerabos würden die Leute kaufen wollen, so der Verbandspräsident.
Dankbar sei man schon für die bereits ergriffenen Massnahmen seitens des Bundes. «Das Instrument der Kurzarbeit greift!» Das sei aber auch notwendig, seien doch über 10'000 Mitarbeiter der Bergbahnbranche zurzeit in Kurzarbeit. Auch die Liquiditäts-Hilfestellungen hätten gut genützt, ergänzt er.
Kredite sind keine Lösung
Dennoch sieht er die Corona-Kredite kritisch: «Sie sind daran gebunden, dass man keine Investitionen tätigen kann und besonders Bergbahnen sind anlageintensiv.» Hug fordert mehr vom Bund: «Wir erwarten Anschubfinanzierung und A-Fonds-Perdu-Beiträge an gewisse Investitionen. Wir erwarten auch steuerliche Entlastungen. Es kann nicht sein, dass wir den Betrieb und die laufenden Rechnungen mit verzinslichen Bankkrediten finanzieren müssen.» Die wirtschaftlichen Schäden seien bereits jetzt enorm. Gut sei einzig, dass man vor dem Shutdown eine starke Wintersaison habe verzeichnen können. (mma)