Hilfe zur Selbsthilfe
Gerade wird in der Marienkirche eine Ausstellung des katholischen Hilfswerks «Kirche in Not» gezeigt. Es geht um Christenverfolgung, der weltweit rund 200 Millionen Menschen ausgesetzt sind. Immer wieder angegriffen wird auch das christliche Armenien. «Die benachbarten muslimischen Länder träumen von der Wiedererrichtung eines grossosmanischen Reiches, berichtet Florian Kamnik, der über eine vorarlbergische Hilfsorganisation mit dem Land in Kontakt kam und sich seit einem persönlichen Besuch stark einsetzt. Vorher verband er mit Armenien, wie die meisten, lediglich den von der Türkei verübten Völkermord an den Armeniern von 1915 und 1916. Die Zahl der Toten variiert je nach Quelle. 2003 anerkannte die offizielle Schweiz den Genozid und spricht von einer Million Deportierter und Getöteter.
Armenien ist etwa ein Drittel kleiner als die Schweiz und beherbergt circa drei Millionen Einwohner. Es grenzt westlich an die Türkei, nördlich an Georgien, südlich an den Iran und östlich an Aserbaidschan, mit dem es sich seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 immer wieder Gefechte um die Region Bergkarabach liefert. Seit die christliche Schutzmacht Russland mit dem Krieg in der Ukraine beschäftigt ist, kam es zwischen den verfeindeten Nachbarn wieder zu kriegerischen Handlungen.
Bildung als einziges Gut
«Kulturell ist Armenien mit der Schweiz vergleichbar», erzählt Kamnik im Gespräch mit der DZ. «Wirtschaftlich befindet es sich auf dem Niveau eines Drittweltlandes.» Das sei nicht zuletzt auf die Blockadepolitik der umgebenden Staaten zurückzuführen. «Es fehlt an allem. Das Einzige, was in Armenien reichlich vorhanden ist, ist Bildung.» Auf diesem Gebiet sei die Kaukasus-Republik sogar anderen voran. «Es kann passieren, dass man mitten im Nirgendwo auf Menschen trifft, die ein ganz hervorragendes Englisch sprechen.» Ausserdem sei das Land unheimlich fruchtbar. «Doch die Bewirtschaftung ist schwierig. Es stehen einzig uralte Sowjetmaschinen zur Verfügung, die ausgeschlachtet werden, um andere am Laufen zu halten.» Bemerkenswert an den Armeniern sei ausserdem ihr grosser Stolz und ihre Friedfertigkeit. «Eigentlich wollen sie nichts anderes, als in Frieden gelassen zu werden.»