Vom erlernbaren Handwerk und der Kunst
Vor Kurzem erschien im Somedia Buchverlag sein Werk «Die Führungspyramide», das auf seiner Dissertation zum Thema «Leadership im sich verändernden wirtschaftlichen und sozialen Kontext» basiert und sich mit den Herausforderungen von Führung in einer sich wandelnden Welt beschäftigt. In dem leicht lesbaren und anschaulich geschriebenen Buch schaut Michel unter anderem auf Demografie, Kultur und den technischen Fortschritt und gibt seine Erfahrung als Führungsperson weiter. Diese nahm ihren Anfang beim Hüten von Ziegen auf einer Alpweide, setzte sich als Offizier im Militärdienst fort und befähigte ihn schliesslich, während acht Jahren die Gemeinde Davos zu leiten.
«Führung betrifft alle», sagt er gegenüber der DZ. «Es ist ein sozialer Prozess, bei dem es immer zwei Akteure gibt.» Darum sei es auch für jemanden, der keine Führungsfunktionen innehabe, spannend zu wissen, wie Führung funktioniere. «Wer geführt wird, hat auch Einfluss.» Deutlich macht er das in seinem Werk schon früh mit einem Diagramm: Anschaulich wird dargestellt, wie Erfahrung sowie Ausbildung der Geführten sich auf die Intensität der Führung auswirken. «Solche Leute brauchen eine lange Leine.» Viel Spielraum erlauben auch Routine und der Alltag. «In einer Krise hingegen muss eng geführt werden», sagt Michel und verdeutlicht die Situation in einem seiner zahlreichen bildhaften Beispiele.
Durch die Augen von Führungspersönlichkeiten
Bevor Michel die Aussage – «Führung ist ein Interaktionsprozess zwischen Führungsperson, Mitarbeitenden und Umwelt» – anhand der namensgebenden Führungspyramide vertieft, lässt er acht Führungspersönlichkeiten zu Wort kommen. Sie beschreiben aus ihrer ganz persönlichen Sicht, wie sie Führung sehen und leben. Es sind einerseits Menschen, die in der internationalen Wirtschaft zu Hause sind und dort Unternehmen mit Tausenden von Mitarbeitenden leiten, wie etwa der deutsche Topmanager Klaus Kleinfeld: «Man muss den Leuten zeigen, dass man ihre Arbeit kennt, und man darf sich nicht scheuen, sich die Hände schmutzig zu machen. Das und nur das erzeugt Respekt.» Oder aber Michel stellt seine Fragen Chefs schweizerischer Firmen, Professoren und der ehemaligen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf: «Wichtig in der Führung ist, sich zu entscheiden. Die Kunst besteht darin, gute und nachvollziehbare Entscheide zu treffen, auch wenn nicht alle Fragen restlos geklärt sind.»