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Schweiz & Welt

Parsennhütte: Neuanfang im doppelten Sinn

Andri Dürst
26.09.2023, 08:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Als sich am Freitagabend über 60 Mitglieder des Skiclubs Davos im Hotel Grischa einfanden, präsentierte sich Davos bereits winterlich, denn bis rund 2000 m ü.M. lag ein Hauch Schnee. Ob Frau Holle dem Club Hallo sagen wollte? Die Hoffnung besteht, dass die kristallinen Grüsse im kommenden Winter zahlreicher sind als im letzten. So kam Präsidentin Claudia Paolella-Rageth in ihrem Jahresrückblick auch sogleich auf die Schneesituation in der Saison 2022/23 zu sprechen: «Punkto Niederschlag wurden wir nicht verwöhnt.» Die Pistenbedingungen seien dennoch top gewesen, und man habe die meisten Clubanlässe durchführen können. Was allerdings nicht stattgefunden habe, sei das Parsenn Derby gewesen. «Nächstes Jahr wird der Anlass aber sein hundertjähriges Bestehen feiern. Das OK um Andrea Schuhmacher ist bedacht, den Anlass wieder über die Bühne zu bringen», versprach Paolella-Rageth. Als Datum habe man die Tage vom 29. Februar bis 3. März 2024 fixiert.

Gute Zahlen erreicht

Auf den letzten Winter blickten auch Hitsch Flury (Nordisch) und Amba Hoffmann (Alpin) zurück. Beide konnten von einer erfolgreichen Saison berichten. Erfolgreich war sie auch in finanzieller Hinsicht. Flury stellte den Anwesenden stellvertretend für den abwesenden Kassier Martin Bettinaglio die Jahresrechnung vor. So resultierte über alle Abteilungen hinweg ein Gewinn von 6615 Franken. «Das ist vor allem auf das gute Ergebnis der Parsennhütte zurückzuführen, aber auch auf die gute Arbeit der sportlichen Abteilungen», erklärte das Vorstands­mitglied.

Neue Lösung bietet drei grosse Vorteile

Apropos Parsennhütte: Diese ist bis heute eng mit dem Skiclub verbunden. Zwar wird der Betrieb von der Parsennhütte GmbH geführt, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Clubs, welche ihm einen umsatzabhängigen Pachtzins bezahlt. Doch die enge Verflechtung hat sich nicht bewährt, weshalb eine neue Lösung ausgearbeitet werden musste. Vorgestellt wurde der Plan von Vorstand Jöri Mattli. Zusammen mit Bettinaglio und der tatkräftigen Unterstützung von Reto Branschi und Urs Hoffmann habe man nun eine Lösung ausgearbeitet, erklärte der Rechtsanwalt der Versammlung. Konkret soll ein Baurechtsvertrag geschaffen und die Parsennhütte GmbH in eine AG umgewandelt werden. «Der Boden gehört weiterhin dem Skiclub, das Gebäude und der Betrieb aber der AG. Diese übernimmt auch die bestehende Grundpfandbelastung.» Entsprechend habe man auch die Graubündner Kantonalbank früh in den Lösungsfindungsprozess miteinbezogen, ergänzte Mattli. Bei der Umwandlung der GmbH in die AG werde man den bestehenden Stammanteil von 20 000 Franken übernehmen und zusätzlich 80 000 Franken einschiessen, um das für eine AG-Bildung nötige Kapital von 100 000 Franken zu erreichen. Der Skiclub werde somit weiterhin alleiniger Aktionär der AG sein. Entsprechend erhalte der Club diverse Rechte: Er darf ein Mitglied für den Verwaltungsrat ernennen, die Clubmitglieder erhalten wie bis anhin 20 Prozent Rabatt, und nach 50 Jahren – dann endet der Baurechts­vertrag – wäre der Heimfall möglich. «Aus meiner Sicht bietet diese Lösung drei grosse Vorteile», subsumierte Mattli. «Erstens erfolgt nun eine Entflechtung zwischen dem Sportclub und dem Gastrounternehmen. Denn bislang hat der Vorstand viel Zeit investiert, um sich mit gastronomischen Themen zu beschäftigen, insbesondere während Corona. Zweitens erhält der Skiclub nun fixe Beiträge, was eine bessere Budgetierung ­ermöglicht. Drittens ist es eine Lösung für 50 Jahre – das bringt uns im Gegensatz zu einem Verkauf längerfristig etwas.»

Skiclub hat weiterhin viel Einfluss

Bei den Anwesenden stiessen die Pläne offensichtlich auf viel Zustimmung – dennoch hatte Mattli einige Fragen zu beantworten. So wurde unter anderem gefragt, wer denn die Aktien der neuen AG veräussern könne. «Das würde einen Beschluss der GV erfordern», meinte der Rechtsanwalt. Ein weiteres Mitglied erkundigte sich, was im Falle eines Konkurses der AG passiere. «Wenn sich so etwas anbahnt, könnte die AG wohl den Baurechtszins nicht mehr bezahlen. Der Skiclub könnte dann beispielsweise vorzeitig den Heimfall auslösen», so Mattli. Nachdem alle offenen Fragen geklärt wurden, schritt man zur Abstimmung. Der Lösung wurde grossmehrheitlich bei nur zwei Enthaltungen zugestimmt. Auch das angepasste Budget wurde genehmigt. Ebenfalls oppositionslos gingen die anderen statutarischen Geschäfte über die Bühne.

Die Parsennhütte startet nun nicht nur rechtlich, sondern auch personell in eine neue Zukunft. Das langjährige Wirtepaar Maria und Urs Schmidt feierte im April ihr letztes Saisonende. An der GV stellten sich die neuen Betriebsleiter sogleich selber vor: Tanja und Tobias Hanne erklärten einhellig, dass sie sich freuten, eine solch tolle und grosse Hütte übernehmen zu dürfen.

Zu guter Letzt wurden an der GV auch diverse Sportler geehrt – einige freuen sich bereits auf die kommende Wintersaison, andere hingegen erklärten heuer ihren Rücktritt und geniessen nun die Zeit ohne Spitzensport.

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