Zum Hauptinhalt springen
Schweiz und Welt

Aus Gustav wird Gitti

Barbara Gassler
25.01.2025, 12:00 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Vor vier Jahren wurde der Verein Seevogel Davos mit dem Ziel gegründet, nach der Aufgabe der Schwanenhaltung am Davosersee diesen weiterhin mit Wassergeflügel zu beleben und gleichzeitig ein Musterbeispiel für eine nachhaltige, tiergerechte Landwirtschaft zu sein. Der erste Teil des selbst gestellten Ziels ist inzwischen geglückt. Im Sommer schwimmen die Diepholzer Gänse und Pommernenten frei auf dem «grössten Ententeich der Schweiz», wie ihn Vereinspräsident Martin Büchi augenzwinkernd bezeichnet, und erfreuen Jung wie Alt. Des Nachts sind sie im im Herbst 2023 vollendeten Stall vor Beutegreifern sicher, und im Winter haben sie da weiterhin Zugang zu offenem Wasser.

Frost zum Ersten

Genau dieses Wasser führte im Berichtsjahr aber auch zu Problemen, wie Büchi in seinem Jahresbericht erwähnte. Denn eigentlich sollte das Wasser für die beiden Wannen im Stall von einer Fassung nahe der Kantonsstrasse kommen. Eine dem Lauf des Totalpbachs folgende Leitung sollte es ins Vogelheim unterhalb des Seebüels bringen. Doch schon bei den ersten Frösten fror die Leitung ein, und die Vögel mussten den Rest des Winters in einem Provisiorium in Frauenkirch verbringen. «Gerne wird behauptet, Gänse brauchen Wasser nur zur Gefiederpflege», sagte Büchi an dieser Stelle. «Doch unsere Beobachtungen zeigen, dass alle unsere Wasservögel sehr viel Zeit auf dem See verbringen.» Eine Haltung ohne Zugang zu frischem Wasser, auch nur zeitweise, war daher keine Option. Die Notlösung war aber auch ein Glück, denn dabei wurde zweifelsfrei klar, dass das angebliche Ganter eine Gans ist. So wurde dieser zu Gitti umgetauft und im Frühjahr kam ein neuer Gustav zu den beiden Damen. «Inzwischen sind die beiden Gänse wieder dabei, Eier zu legen», sagte Büchi und brachte den Vereinsmitgliedern einige Beweise mit. Bis daraus allerdings Küken schlüpfen, wird es noch etwas dauern. «Im Moment ist es zu kalt.»

Männerwirtschaft

Keine Eier sind derweil von den Enten zu erwarten. Das Weibchen war im Lauf des Winters 2024 gestorben, und der verbliebene Erpel verbrachte den Sommer zusammen mit einer ebenfalls männlichen weissen Hausente. «Der Rest eines Paares, bei dem das Weibchen dem Fuchs zum Opfer fiel.» Der Versuch, aus befruchteten Enteneiern Nachwuchs zu züchten schlug fehl, ein neuerlicher Anlauf soll dieses Jahr gemacht werden.

Frost zum Zweiten

Im Hinblick auf den laufenden Winter wurde im Totalpbach eine Pumpe angebracht, die in den beiden Becken tatsächlich für einen guten Durchfluss sorgt. Doch wieder war die Rechnung ohne den Frost gemacht, denn während der ersten kalten Nächte fror der Ablauf zu, der Stall stand zentimetertief unter Wasser. «Notfallmässig wurde eine Heizung in die Leitung eingebaut», berichtete Büchi. Doch bereits zeigte sich das nächste Problem: Eine der beiden aus dem ehemaligen Schwanenstall übernommenen Wannen ist undicht und musste ausser Betrieb genommen werden. «Welche Lösung wir im Frühjahr finden werden, ist noch offen.» Dass man mit dieser Haltung von Wassergeflügel allerdings auf dem richtigen Weg ist, zeigte eine vor kurzem erfolgte, unangemeldete Tierschutzkontrolle des Veterinäramtes. «Es wurden keinerlei Beanstandungen gemacht», sagte Büchi nicht ohne Stolz.

Verlust und Wechsel im Vorstand

Doch die noch nicht gelösten Probleme bei der Wasserzufuhr bedeuten, dass der finanziell vollständig von Mitgliederbeiträgen und Zuwendungen abhängige Ve-rein weiterhin in Geldnot ist. Schon das Anbringen eines Zaunes zwischen Geflügelgehege und Spazierweg war nur dank einer grosszügigen Spende von Seiten der Gemeinde möglich. «Wir schliessen das Jahr mit einem Verlust ab», beschied Kassierin Franziska Meisser den anwesenden Mitgliedern. Damit ist die Mittelbeschaffung die vordringlichste Aufgabe des Vereins, besonders da neben den beschriebenen Problemen dringend ein Maschendraht am Zaun angebracht werden muss. «Der aktuell verwendete elektrische Schafzaun erfüllt zwar die Funktion, die Vögel vor Hunden zu schützen, macht aber einen unfertigen Eindruck», war man sich einig. Einen Wechsel gab es im Vorstand des Vereins. Für den zurücktretenden Christian Kaufmann wurde neu Andreas König gewählt.

Mehr zum Thema: Klima und Natur