Guido Michelin rät den Glarnern: «Essen Sie su'ause»
von Guido Michelin*, Redaktions-Feinschmecker
Geschätze Leser. Sie dürfen mir glauben: Für Restaurant-Kritiker ist die Restaurant-Schliessung im Kanton eine Katastrophe. Nicht nur, weil ich als einziger Restaurant-Kritiker im Kanton jetzt nicht mehr sehr viel Arbeit habe. Sondern auch, weil ich jetzt mein selber gekochtes Essen bewerten muss. Das macht weniger Freude, als man sich vielleicht als neutraler Beobachter vorstellen könnte.
Auf der Redaktion der «Glarner Nachrichten» behaupten deshalb böse Zungen, dass es allein meinem Eigeninteresse zu verdanken sei, dass sie in dieser Zeitung die wohl grösste Speisekarte des Kantons zu lesen bekommen. Das stimmt so natürlich nicht.
Diese Speisekarte soll im Wesentlichen den Glarner Gastrobetrieben ermöglichen, ihr Angebot bekannt zu machen. In diesen Zeiten ist es nicht ganz einfach, das Publikum zu erreichen. Für den Leser hat dieses System ebenfalls augenscheinliche Vorteile: Sie können sich von Capuns über den Wolfsbarsch bis zur Zigercremesuppe durchbestellen mit dem guten Gefühl, damit nicht nur Bundesrat Berset, sondern auch dem lokalen Gewerbe einen Gefallen getan zu haben.
Konnte man sich im ersten Lockdown als Held fühlen, wenn man zuhause blieb, ist es in diesem Winter etwas komplizierter. Wir sollen nämlich nicht nur die Corona-Zahlen tief halten, sondern auch die Wirtschaft am Leben. Das ist nun nicht mehr ganz so einfach: Die Beizen füllen sich nicht, wenn sie geschlossen bleiben müssen. Und das Gastgewerbe muss auch noch die Schliessungen vom Frühjahr verdauen, was gerade in dieser Branche nicht ganz so einfach zu vollbringen ist.

