Grossteil der Akten der St. Galler Fremdenpolizei ist vernichtet
Von den Akten der ehemaligen St. Galler Fremdenpolizei zu Saisonniers aus dem Ausland ist fast nichts mehr übrig. Für Familien werde es daher schwierig, dieses «düstere Kapitel» aufzuarbeiten, so SP-Kantonsrat Dario Sulzer. Anders sieht es die Regierung.
Wer sich auf die Suche nach Akten der ehemaligen St. Galler Fremdenpolizei zu Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten aus der Zeit zwischen 1950 und 1990 macht, dürfte es schwer haben, fündig zu werden. Für diesen Zeitraum ist «von einer praktisch vollständigen Vernichtung auszugehen», heisst es in einer kürzlich veröffentlichten Antwort der St. Galler Regierung auf einen Vorstoss von SP-Kantonsrat Dario Sulzer. In den folgenden Jahrzehnten seien vermutlich in ein bis zwei Prozent der Fälle die Akten überliefert worden.
Eben diese Akten über die ehemaligen Saisonarbeiter wären für migrantische Arbeiterinnen und Arbeiter sowie deren Familien «von unschätzbarem Wert», begründete Sulzer die Interpellation. Die Hinweise auf die Praxis der Fremdenpolizei in der Geschichtswissenschaft seien lückenhaft und viele Nachkommen könnten mit ihren Verwandten bis heute nicht über «das erfahrene Leid» reden.
Die «zweifellos negativen Auswirkungen» des seit den 1930er Jahren angewandten und 2002 abgeschafften Saisonnierstatuts hatte die Regierung bereits im April 2024 einmal schriftlich festgehalten: darunter der Ausschluss von gewissen Sozialleistungen und von der Arbeitslosenversicherung. Saisonniers mussten nach Ablauf der auf wenige Monate ausgestellten Arbeitsverträge die Schweiz wieder verlassen. Alleine für das Jahr 1974 nannte die Regierung die Zahl von rund 7300 Personen mit einer Saisonnier-Bewilligung im Kanton St. Gallen.
Zufällige Stichproben
Aus den neuesten Antworten der Regierung geht hervor, dass sich aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rund 400 Personendossiers zu Arbeitsmigrantinnen und -migranten im St. Galler Staatsarchiv befinden. Die überwiegende Mehrheit davon datiere ab dem Jahr 1990 und später.